Wildunfall: Was tun?

Von John Smith 23 Februar, 2022
4 minutes
Wildunfall

Bei einem so genannten Wildunfall handelt es sich um einen Verkehrsunfall, der durch den Zusammenstoß mit einem Wildtier (Haarwild)  entsteht. Etwa fünf Prozent aller Verkehrsunfälle sind Wildunfälle. In diesem Artikel erfährst du alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Welche Versicherung zahlt bei einem Wildunfall?

Hast du eine Kaskoversicherung abgeschlossen, übernimmt diese den entstandenen Schaden. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um einen Rehunfall oder einen Zusammenstoß mit einem Wildschwein handelt. Auch die Uhrzeit keine Auswirkungen auf den Versicherungsschutz. Es ist also egal, ob sich der Wildunfall nachts oder tagsüber ereignet. Mit dem Abschluss einer Kfz-Haftpflichtversicherung kommst du zwar deiner Versicherungspflicht nach, jedoch kommt diese nicht für Schäden an deinem eigenen Auto auf. Hierfür benötigst du eine Kfz-Vollkaskoversicherung oder zumindest eine Kfz-Teilkaskoversicherung. Der Kaskoschutz gilt auch im Falle einer abweichenden Halterschaft.

Grundsätzlich solltest du  versuchen, jeden Wildunfall zu vermeiden. Musst du dennoch einen Wildschaden melden, benötigst du dafür eine Wildunfallbescheinigung. Diese Bescheinigung erhältst du vom zuständigen Förster/ der zuständigen Försterin oder der Polizei.

Übrigens: Nicht alle Tiere, die dir als Fahrzeugeigentümer/Fahrzeugeigentümerin beziehungsweise Fahrzeughalter/Fahrzeughalterin bei Nacht begegnen, sind Rehe oder Wildschweine. Die Versicherungen unterscheiden zwischen Haarwild und Federwild. So könntest du zum Beispiel auch auf einen Greifvogel, wie die Eule, oder andere Vögel treffen.

Dos and Don’ts: So verhältst du dich richtig

Einen Wildunfall nachträglich zu melden ist zwar grundsätzlich möglich. Doch kann der Wildschaden am Auto einen Totalschaden mit anfallenden Überführungskosten bedeuten. Auch Glasschäden oder wirtschaftliche Totalschäden können die Folge eines solchen Unfalls sein. Daher ist es besonders wichtig, dass du dich im Schadensfall richtig verhältst:

  1. Schalte deine Warnblinkanlage ein, ziehe eine Warnweste an und sichere die Unfallstelle ab.
  2. Im Falle eines Personenschadens solltest du die Polizei rufen und Erste Hilfe leisten.
  3. Selbst wenn es keine Verletzten gibt, musst du die Polizei oder das zuständige Försteramt informieren.
  4. Falls möglich, ziehe das tote Tier an den Randstreifen. Dadurch lassen sich Folgeunfälle vermeiden. Dafür ziehst du am besten Handschuhe an, damit eventuelle Parasiten oder Krankheiten keine Chance haben.
  5. Ist das Tier verletzt? Dann fasst du es am besten nicht an – es könnte sich wehren und dich schwer verletzen.
  6. Warte am Unfallort, bis die Polizei oder der Jäger/die Jägerin eintreffen.

Wichtig: Du darfst angefahrenes Wild auf keinen Fall vom Unfallort entfernen. Das könnte eine Anzeige wegen Wilderei zur Folge haben und eine hohe Strafe nach sich ziehen. Auch du darfst die Unfallstelle nicht einfach verlassen (Fahrerflucht).

So vermeidest du einen Wildunfall

Gerade beim nächtlichen Autofahren solltest du vorsichtig sein. Denn zu dieser Zeit ist besonders viel Wild unterwegs. Durch angemessene Vorsicht ersparst du es dir, die Leistungen deiner Versicherung in Anspruch nehmen zu müssen. Außerdem schonst du gleichzeitig deinen Geldbeutel, da du so auch keine Selbstbeteiligung aufwenden musst.

Wildunfall

© AdobeStock_244715526, Biewer_Jürgen

Was ist ein Wildwechsel?

Unter einem Wildwechsel versteht man eine Stelle,  die regelmäßig von Wildtieren genutzt wird, um die Straße zu überqueren. Deshalb findest du an betroffenen Stellen die notwendigen Verkehrsschilder. Es wäre grob fahrlässig, im Frühling oder Herbst bei Dämmerung mit Höchstgeschwindigkeit dort vorbeizufahren. Um Wildunfällen vorzubeugen, solltest du also den Fuß vom Gas nehmen. Solltest du ein Tier sehen, fährst du besonders langsam weiter, denn es könnte jederzeit losrennen. Außerdem gilt: Wildtiere sind nur selten alleine unterwegs.

Kommt es doch zu einem Wildunfall, hilft dir deine Kfz-Teilkaskoversicherung oder die Kfz-Vollkaskoversicherung weiter. Da du es nicht mit einem menschlichen Unfallgegner oder einer Unfallgegnerin zu tun hast, gibt es auch keine gegnerische Haftpflichtversicherung, die den Schaden übernehmen könnte. Stattdessen solltest du den Schaden deiner Kaskoversicherung, sofern vorhanden, melden. Ein Wildunfall hat dabei keinerlei auf Schadenfreiheitsklassen und Schadensrabatt. Du wirst also nicht in der Versicherung hochgestuft. Anschließend kannst du das beschädigte Fahrzeug zur Reparatur in eine freie Werkstatt oder – bei Werkstattbindung – eine Partnerwerkstatt bringen. Unter Umständen erhältst du für die Zeit der Reparatur ein Ersatzfahrzeug.

Wildunfall: So verläuft die Regulierung des Schadens

Die nötige Regulierung des Schadens beim Wildunfall übernimmt bereits eine Teilkaskoversicherung, sofern du mit Haarwild zusammengestoßen bist. Nach Eingang der Wildunfallbestätigung und der Schadenseinstufung durch den Experten oder die Expertin informiert dich die Versicherung über das weitere Vorgehen.

Achtung: Kein Anspruch auf Schadenersatz

Fährst du auf einem Waldgrundstück, hast du weder Schadenersatzansprüche gegenüber dem Waldbesitzer/ der Waldbesitzerin noch gegenüber dem Jagdpächter/ der Jagdpächterin. Im juristischen Sinne ist Wild eine herrenlose Sache. Deshalb solltest du jederzeit bremsbereit sein, um die Gefahren für einen potenziellen Wildunfall zu minimieren.

Gefahr durch einen Wildunfall nie unterschätzen

Nicht alle Wildtiere sind beim Aufprall unheimlich schnell – aber ein Wildschwein bringt gern stolze 180 Kilogramm auf die Waage. Fährst du ungebremst in ein solches Exemplar hinein, kann dir auch ein modernes Fahrerassistenzsystem nicht helfen. Deshalb solltest du die Auswirkungen des Aufpralls niemals unterschätzten. Fahre vorsichtig. Die besten Chancen hast du, wenn du voll abbremst aber in deiner Spur bleibst.

Bildnachweise: Headerbild © AdobeStock_179260357, Ingo Bartussek; Bild 1 © AdobeStock_244715526, Biewer_Jürgen

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