Medizinisch Psychologische Untersuchung (MPU)

Von Linda 17 Oktober, 2023
4 minutes

Kommt es zu berechtigten Zweifeln an der Fahreignung einer Führerscheininhaber:in, kann eine medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz: MPU, nötig werden. Sie gibt den Behörden eine nach wissenschaftlichen Kriterien erstellte Prognose mit an die Hand. So lässt sich besser einschätzen, wie sich die betroffene Person in Zukunft im Straßenverkehr verhalten wird.

Die medizinisch-psychologische Untersuchung ist allerdings mit zahlreichen Vorurteilen und Unklarheiten behaftet. In diesem Artikel zeigen wir von Freeyou dir alles, was du zur MPU wissen musst.

Was ist eine MPU-Untersuchung?

Wer gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) verstößt, muss mit entsprechenden Strafen rechnen. Dadurch werden Autofahrer:innen zu korrektem Verhalten motiviert. Schon früh hat man jedoch festgestellt, dass sich einige Personen von unangenehmen Konsequenzen nicht abschrecken lassen.

Als Alternative zu immer härteren Strafen führte man daher schon 1954 die medizinisch-psychologische Untersuchung ein. Ziel der MPU ist es, zu überprüfen, ob eine Person fähig ist, ein Kraftfahrzeug zu führen (so genannte Fahreignung). Es geht also im Prinzip um die körperliche, geistige und persönliche Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr.

Zweifel an der Fahreignung entstehen immer dann, wenn eine Person durch bestimmte Verkehrsdelikte oder mehrfache Vergehen auffällig geworden ist. So ist zum Beispiel das Überschreiten der Promillegrenze ein typischer Grund für den Entzug der Fahrerlaubnis. Infolgedessen muss der oder die  Fahrer:in dann an einer medizinische-psychologischen Untersuchung teilnehmen. Dabei muss es keineswegs zu einem Schadenfall gekommen sein.

Aber auch andere Drogendelikte, Probleme mit Medikamenten und weitere Verkehrsauffälligkeiten können eine medizinisch-psychologische Untersuchung notwendig machen. Die MPU stellt in diesem Fall die Verkehrstüchtigkeit der betroffenen Person sicher.

Gleichzeitig können Betroffene eine von den Behörden angezweifelte Fahreignung unter Beweis stellen. Ausschlaggebend dafür sind sowohl die körperliche als auch die psychische Verfassung einer Person. Deshalb hat sich in manchen Kreisen auch der umgangssprachliche, abwertende Begriff „Idiotentest“ etabliert. Im Amtsdeutsch spricht man hingegen von der “Begutachtung der Fahreignung”.

Wann fordert die Führerscheinstelle ein Gutachten an?

Zur MPU müssen Verkehrsteilnehmer:innen, die aufgrund von schwerwiegenden oder wiederholten Delikten ihren Führerschein verloren haben. Um diesen wiederzubekommen, ist eine medizinisch-psychologische Untersuchung notwendig.

Die häufigste Ursache für den Verlust der Fahrerlaubnis ist Drogenmissbrauch: In der Hälfte der Fälle ist Trunkenheit am Steuer der Grund für den Führerscheinentzug. Im Rahmen der medizinisch-psychologischen Untersuchung wird insbesondere geprüft, ob eine Alkoholabhängigkeit vorliegt. Anzeichen dafür sehen die Behörden

  • bei Fahrten mit mehr als 1,6 Promille
  • bei Fahrten mit mehr als 1,1 Promille
  • sowie bei wiederholtem Fahren unter Alkoholeinfluss.

Auch das Fahren unter dem Einfluss anderer, in Deutschland illegaler Drogen führt zu einem Entzug der Fahrerlaubnis. Der Konsum von Cannabis, Opiaten, Amphetaminen und Co. kann ebenfalls einen Führerscheinentzug nach sich ziehen. Bist du unter Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen in einen Unfall verwickelt, kann das ebenfalls zu Problemen führen. Denn in diesem Fall kann man dir vorwerfen, grob fahrlässig gehandelt zu haben. Die Kfz-Haftpflichtversicherung kann den oder die Fahrzeughalter:in dann an den Kosten beteiligen, ihn oder sie also „in Regress“ nehmen.

Ein weiterer Grund für eine medizinisch-psychologische Untersuchung sind Straftaten, die in irgendeiner Form Auswirkungen auf den Straßenverkehr hatten. Nutzt ein Täter oder eine Täterin zum Beispiel ein Auto für die Tat, entziehen die Behörden die Fahrlizenz. Ähnlich verhält es sich auch im Falle einer Fahrerflucht. Egal, ob es ein selbstverschuldeter Unfall war oder eine andere Person der Unfallverursachende ist: Wer wegen Unfallflucht verurteilt wird, verliert fast immer auch die Fahrerlaubnis. Um sie wiederzuerlangen ist dann eine MPU erforderlich.

Es müssen aber nicht immer aggressive Straftaten sein: Auch eine hohe Anzahl von „kleineren“ Vergehen führen zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung. Wenn du zu viele Punkte in Flensburg gesammelt hast, kann es sein, dass du zur MPU musst.

mpu

Wie läuft eine MPU-Prüfung ab?

Der MPU-Ablauf ist, unabhängig vom Grund der Untersuchung, relativ ähnlich. Es werden drei Bereiche untersucht: Die körperliche, die kognitive und die psychische Eignung.

Dazu werden den Teilnehmenden von Gutachterinnen oder Gutachtern Fragen gestellt, die es ehrlich zu beantworten gilt. Um die körperliche und die kognitive Eignung zu testen, kommen verschiedene Untersuchungen und Computertests zum Einsatz. So nutzt man zum Beispiel bei Drogen- oder Alkoholvergehen Urin-, Haar- und Bluttests. So ist sichergestellt, dass die betroffene Person auch wirklich abstinent war. Oder man prüft die Reaktionszeiten durch eine Simulation am Bildschirm.

Nur, wenn alle drei Teile (körperlich-medizinischer Teil, Leistungsteil und psychologischer Teil) erfolgreich absolviert wurden, gilt die MPU als “bestanden”.

Die Fragebögen

Der praktische Teil der medizinisch-psychologische Untersuchung besteht aus diversen Tests und Fragen. Hierunter fallen zum Beispiel Reaktionstests am Computer. Die Art der Fragen kann je nach Ursache für den Entzug der Fahrerlaubnis variieren. Trunkenheit am Steuer ist der häufigste Grund für eine medizinisch-psychologische Untersuchung. Und gerade die Fragen zu diesem Thema haben es in sich.

Betroffene sollten sich daher gezielt auf die MPU vorbereiten, da die Untersuchung ohne Vorkenntnisse kaum zu bestehen ist. Das liegt nicht ausschließlich an der Komplexität der Fragen, sondern auch an der Bewertung der Antworten: Sie müssen plausibel sein, den Daten entsprechen und nicht zuletzt ehrlich und nachvollziehbar sein.

Stimmt etwa die Aussage zum eigenen Alkoholkonsum nicht mit den Blutwerten überein, wird das als Lüge gewertet. Die medizinisch-psychologische Untersuchung gilt damit sofort als nicht bestanden. Wer wegen Verstößen gegen das Straßenverkehrsrecht eine MPU absolvieren muss, kann sich wiederum auf Fragen zu den Verkehrsregeln einstellen.

Der Fragenkatalog, der bei der MPU Anwendung findet ist riesig. Welche Fragen tatsächlich zum Einsatz kommen, zeigt sich erst im eigentlichen MPU-Ablauf. Es gibt dabei keine “richtigen Antworten”, wohl aber falsche, die zum Ausscheiden führen. Eine umfassende Vorbereitung ist daher sehr zu empfehlen, um alle möglichen Fragen zu kennen und Fallstricke zu vermeiden.

Ziel ist es dabei nicht, einen möglichst guten Eindruck zu erwecken. Vielmehr geht es darum, zu zeigen, dass man die eigenen Fehler analysiert und sich geändert hat. Es geht bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung immerhin um die Prognose zur weiteren Entwicklung.

Die körperliche Untersuchung

Ein:e Ärzt:in beurteilt, ob du körperlich dazu in der Lage bist, ein Fahrzeug zu führen. In diesem Teil der medizinisch-psychologischen Untersuchung geht es also um deine physische Gesundheit. Waren Drogen der Grund für die MPU, muss die zu testende Person zudem längere Zeit nüchtern sein. Dasselbe gilt auch, wenn du wegen Alkohol am Steuer zur Untersuchung musst. Die Abstinenz wird, je nach Droge, durch Urin- und Bluttests sowie Haaranalysen kontrolliert. Auf diese Weise lässt sich auch ein Drogenmissbrauch erkennen, der mehrere Tage oder Wochen zurückliegt. Daher genügt es nicht, nur beim Zeitpunkt der MPU nüchtern zu sein.

Zusätzlich werden auch kognitive Fähigkeiten (auf einer geraden Linie laufen, mit geschlossenen Augen die Nase berühren…) geprüft. Außerdem machen sich die Prüfer und Prüferinnen ein Bild des allgemeinen Gesundheitszustands. Zuletzt muss die betroffene Person noch einige allgemeine Fragen beantworten.

Die Leistungstests

Im so genannten Leistungsteil werden kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit geprüft. Dieser Abschnitt der medizinisch-psychologischen Untersuchung ist der einzige, der nicht unter ärztlicher Aufsicht stattfindet. Stattdessen führst du Aufgaben an einem Computer aus. Die Gutachter:innen werten die Ergebnisse dann im Nachhinein aus.

Der Test dauert ca. 30 Minuten. Dabei spielt dein Geschlecht und dein Alter eine Rolle, da die Resultate bei verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich ausfallen können.

MPU wegen Alkohol oder Drogen

Fahren unter Drogeneinfluss, allen voran Alkohol, ist die häufigste Ursache für den Verlust der Fahrerlaubnis und eine anschließende MPU. Hat man dich bei einer Polizeikontrolle zum Beispiel mit 1,6 Promille oder mehr erwischt, bist du den Führerschein garantiert los.

Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der/die Fahrer:in in einen Unfall verwickelt war. Waren Drogen im Spiel, muss der- oder diejenige im Rahmen der MPU abstinent bleiben. Du musst also durch Blut- und Urintests nachweisen, dass du seit längerer Zeit (6 bis 12 Monate) drogenfrei bist.

Auch die Fragen im psychologischen Teil haben es bei Alkohol- oder Drogenmissbrauch in sich! Eine spezielle Vorbereitung auf die MPU wegen Alkohol ist daher unbedingt ratsam. Die Behandlung von Suchterkrankungen ist schwierig – nicht nur im Straßenverkehr.

Gutachter:innen fokussieren sich daher auf den Umgang der zu prüfenden Person mit den jeweiligen Drogen. Selbsterkenntnis und das Erlernen eines besseren Umgangs mit der Sucht können sich daher positiv auf die MPU auswirken. Ein simples „Ich werde es nie wieder tun!“ ist hingegen zu einfach, unrealistisch und führt meist nicht zum Erfolg.

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Was passiert mit dem Gutachten?

Auftraggeber:in des Gutachtens ist immer die betroffene Person selbst. Sie kann auch auswählen, welche Einrichtung die medizinisch-psychologische Untersuchung durchführen soll. Sogar, wohin im Anschluss das Ergebnisdokument gehen soll, ist ihre Entscheidung.

Das fertige Gutachten wird in jedem Fall per Post versendet. Dabei kannst du dir aussuchen, ob es an dich oder direkt zur Führerscheinstelle gehen soll. Letztere Möglichkeit ist allerdings nicht zu empfehlen: Ein MPU-Ergebnis, das an die Behörde geht, wird automatisch in deiner Akte landen – auch, wenn es negativ ausfällt.

Schon bei der Anmeldung kannst du angeben, wer den fertigen Untersuchungsbericht erhalten soll. Lies daher alle Formulare aufmerksam und streiche Sätze, die eine automatische Weiterleitung an die Behörden beinhalten. Das Gleiche gilt auch für die Schweigepflichtsentbindung.

Lasse die Ergebnisse daher zuerst an deine eigene Anschrift liefern und werfe einen Blick hinein. Hast du bestanden, kannst du dein Dokument zur Führerscheinstelle bringen. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, deine alte Fahrerlaubnis erhältst du allerdings noch nicht wieder zurück.

Es dauert in der Regel zwei Wochen, um den Fall zu prüfen. Anschließend bekommst du einen neuen Führerschein ausgestellt. Du kannst jedoch sofort bei der Abgabe deines positiven MPU-Ergebnisses eine vorläufige Fahrerlaubnis beantragen, die du direkt mitnehmen kannst.

Mit diesen Tipps bekommst du ein positives Gutachten

Die medizinisch-psychologische Untersuchung ist in jedem Fall eine Herausforderung. Eine gute Vorbereitung, das nötige Wissen und das Befassen mit sich selbst und dem jeweiligen Vergehen sind unumgänglich. Einige einfache Tipps können jedoch dabei helfen, den MPU-Test erfolgreich zu bestehen:

  • Erscheine am Tag der medizinisch-psychologischen Untersuchung unbedingt rechtzeitig und mit allen wichtigen Dokumenten. Dazu gehört dein Ausweis sowie relevante ärztliche Atteste, Belege über Therapiebesuch/Abstinenz und andere eventuell notwendige Unterlagen.
  • Stimme einer Tonband- oder Videoaufnahme zu. Diese Aufzeichnung kann im Nachgang als Beweis dienen, wenn es zu Unstimmigkeiten kommen sollte. Wird dir kein solches Angebot gemacht, solltest du selbstständig danach fragen. Teilweise werden dir die Kosten dafür in Rechnung gestellt. Es lohnt sich trotzdem, da du so auf der sicheren Seite bist.
  • Du solltest ausgeschlafen zur medizinisch-psychologischen Untersuchung erscheinen und deine volle Konzentration mitbringen. Alkohol oder Medikamente sind natürlich tabu, sofern es sich nicht um wichtige, krankheitsbedingte Mittel handelt. Nimmst du solche Medikamente ein, solltest du Beipackzettel oder ein Attest des behandelnden Arztes mitbringen und unaufgefordert vorlegen.
  • Sei während deiner medizinisch-psychologischen Untersuchung kooperativ und versuche, ruhig zu bleiben. Wartezeiten sind leider normal und sollten dich nicht aus der Fassung bringen.
  • Vermeide es, während deines Gesprächs Vorwürfe gegen die Polizei, die Justiz oder andere Personen oder Gruppen zu machen. Auch über den Sinn oder Unsinn der medizinisch-psychologischen Untersuchung zu diskutieren, ist keine gute Idee. Bei der MPU geht es um deine eigenen Fehler und die Frage, wie du dich mit diesen auseinandergesetzt hast.

Das sind die Kosten einer MPU

Eine medizinisch-psychologische Untersuchung ist in vielerlei Hinsicht unangenehm: Sie kostet Zeit, Energie, Nerven und nicht zuletzt Geld. Denn in der Regel musst du selbst für die Kosten aufkommen. Schließlich bist du die Person, die ihre Fahrerlaubnis zurück möchte und deshalb die Untersuchung in Auftrag gibt.

Die allgemeinen MPU-Kosten liegen aktuell bei 400-800 Euro, je nach Anbieter. Sie können allerdings durch zusätzlichen Aufwand auch bis auf über 1.000 Euro ansteigen. Entscheidend ist die Art des Vergehens: Bei Alkohol- und anderen Drogendelikten werden mehrere Tests nötig, die ganz schön ins Geld gehen. So musst du für einen Urintest etwa 100, für eine Haaranalyse sogar 200 bis 300 Euro einberechnen. Waren keine Substanzen im Spiel, entfällt dieser Teil hingegen. Musst du also wegen zu vielen Punkten in Flensburg zur MPU, fallen die Kosten deutlich niedriger aus.

Wo finden Betroffene Hilfe?

Eine Liste der zugelassenen Begutachtungsstellen finden Betroffene bei der Bundesanstalt für Straßenwesen. Eine strenge Trennung von Vorbereitungs-Einrichtungen und den eigentlichen Testzentren ist seit vielen Jahren Pflicht.

Bei der Vorbereitung auf die medizinisch-psychologische Untersuchung stehen den Betroffenen eine Vielzahl von Angeboten zur Verfügung. Einige der Kurse sind eher „Schauspielschulen“ als echte Hilfsangebote. Sie fokussieren sich darauf, den Teilnehmenden beim Einüben passender Antworten zu helfen. Sie sind häufig an besonders reißerischer Werbung zu erkennen und führen selten zum Bestehen der medizinisch-psychologischen Untersuchung.

Das tatsächliche Befassen mit den eigenen Fehlern ist deutlich sinnvoller. Der ADAC hat dazu eine Übersicht der wichtigen Adressen von verkehrspsychologischen Beratungsstellen erstellt.

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