Verkehrsrechtsschutz-Versicherung

Von Erik Lehnert 20 September, 2023
4 Minuten
Versicherungsschutz

Kleine Unachtsamkeiten können im Straßenverkehr oft schwerwiegende Folgen haben. Hast du selbst einen Unfall verursacht oder bist zu schnell gefahren, musst du daher mit entsprechenden Konsequenzen rechnen. Diese reichen vom kostenpflichtigen Aufbauseminar bis zum Entzug der Fahrerlaubnis.

Ein Anwalt oder eine Anwältin kann dir dabei helfen, Strafen und Bußgelder abzuwenden. Denn nicht immer sind diese rechtmäßig. Er oder sie kann beispielsweise Fehler beim Messen der Geschwindigkeit aufdecken. Aber dieser rechtliche Beistand kostet Geld. Es sei denn, du hast eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abgeschlossen, die das Honorar bezahlt.

Was ist eine Verkehrsrechtsschutzversicherung?

Dieser Versicherungstyp bietet dir, wie der Name bereits sagt, Rechtsschutz im Zusammenhang mit Verkehrsdelikten. Die Gesellschaft übernimmt die Kosten für Anwälte und Anwältinnen sowie Gerichtskosten, die das Geschehen im Verkehr auslöst. Den Versicherungsschutz gibt es für

  • Autofahrer oder Autofahrerinnen
  • Fahrradfahrer und Fahrradfahrerinnen
  • Fahrer und Fahrerinnen von Fahrzeugen mit Versicherungskennzeichen
  • sowie Personen, die zu Fuß am Straßenverkehr teilnehmen.

Eine Ersteinstufung nach dem Versicherungsjahr der Kfz-Versicherung gibt es hier nicht. Die Gesellschaften kalkulieren die Tarife nicht individuell. Näheres findest du in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB).

Die Verkehrsrechtsschutzversicherung besteht unabhängig von sonstigen Kfz-Versicherungen. Du kannst deine Kfz-Versicherung kündigen und die Verkehrsrechtsschutzversicherung beibehalten. Das betrifft auch das Sonderkündigungsrecht in der Kfz-Versicherung.

Auto oder Fahrer/Fahrerin: Wer ist versichert?

Bei den meisten Gesellschaften, die eine Verkehrsrechtsschutzversicherung anbieten, hast du diese Optionen:

  • Verkehrsrechtsschutz: Dieser Versicherungsschutz gilt für dich als Verkehrsteilnehmer oder Verkehrsteilnehmerin.
  • Kfz-Rechtsschutz: Das gesamte Fahrzeug ist versichert, unabhängig vom Fahrer oder der Fahrerin. Alle Personen, die dieses rechtmäßig nutzen, haben also Verkehrsrechtsschutz.
  • Familien-Verkehrsrechtsschutz: Der Rechtsschutz ist der umfassendste. Versichert sind
    • der Versicherungsnehmer oder die Versicherungsnehmerin
    • Ehe-/Lebenspartner beziehungsweise -Partnerinnen
    • minderjährige Kinder
    • die Eltern, sofern diese im selben Haushalt gemeldet sind.
    • volljährige Kinder, die keine berufliche Tätigkeit ausüben.
    • alle berechtigten Fahrer und Fahrerinnen.
    • die Insassen und Insassinnen der versicherten Fahrzeuge.

Achtung: Hier ist eine Doppelversicherung möglich, die dich unnötige Beiträge kostet, aber keinen Nutzen bringt. Das solltest du unbedingt vermeiden.

Leistungen: Was umfasst eine Verkehrsrechtsschutzversicherung?

Die Leistungen unterscheiden sich erheblich, aber einige Basics decken alle Gesellschaften ab:

  • Kostenlose Erstberatung: Bei dieser prüft der Anwalt oder die Anwältin in erster Linie, ob eine Klage oder ein Widerspruch Erfolg verspricht.
  • Verkehrs-Straf-Rechtsschutz: Wenn dir die Behörden eine Verkehrsstraftat vorwerfen, übernimmt die Auto-Rechtsschutzversicherung die Kosten deiner Verteidigung.
  • Verkehrs-Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz: Die Verkehrsrechtsschutzversicherung zahlt in diesem Fall Gerichtskosten sowie die Kosten für deinen Rechtsbeistand. So ist es häufig möglich, ein Bußgeld abzuwenden. Sie übernimmt allerdings keine Bußgelder.
  • Verkehrs-Schadenersatz-Rechtsschutz: Der Verkehrsrechtsschutz hilft, deine Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Dies betrifft beispielsweise Schmerzensgeld, Reparaturkosten oder einen Verdienstausfall nach einem Unfall.

Manche Gesellschaften bieten noch weitere Leistungen an:

  • Verkehrs-Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht: Diese benötigst du, um Ansprüche aus Verträgen, die das Auto betreffen, abzuwenden oder durchzusetzen.

Verkehrs-Steuer-Rechtsschutz oder Verwaltungs-Rechtsschutz in Verkehrssachen, meist im Rahmen einer gewerblichen Kfz-Versicherung.

Wann ist der Verkehrsrechtsschutz sinnvoll?

Die Verkehrsrechtsschutzversicherung unterscheidet sich deutlich von anderen Versicherungsarten. Die folgende Liste zeigt diese Unterschiede auf:

Es scheint, du bist mit diesen Versicherungen absolut geschützt. Doch die Realität sieht anders aus:

  • Bei Unfällen ist die Rechtslage nahezu immer unklar. Wer muss wessen Schaden übernehmen?
  • Bei einem unverschuldeten Unfall stehen dir unter Umständen Renten und Schmerzensgeld Diese Ansprüche musst du aber juristisch durchsetzen.
  • Dir droht eine schwere Strafe, denn der Staatsanwalt oder die Staatsanwältin unterstellt dir, grob fahrlässig gehandelt zu haben.
  • Du hast einen Bußgeldbescheid bekommen und gehst davon aus, dass er ungerechtfertigt ist.

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten. Sie ist für dich wichtig, um berechtige Ansprüche durchzusetzen und unberechtigte abzuwenden. Besonders im Straßenverkehr bestehen hohe Risiken und die Rechtslage ist oft nicht eindeutig. Dies betrifft die Schuldfrage bei Unfällen, Ordnungswidrigkeiten und Verkehrsstraftaten. Anwälte und Anwältinnen wissen, dass eine Vielzahl der Bußgeldbescheide Formfehler enthalten. Sie sind nicht gültig, aber ohne rechtlichen Beistand kannst du dich kaum wehren.

Du willst lieber auf Nummer sicher gehen? Dann schließe mit dem Kfz-Versicherung-Erstvertrag direkt auch eine Verkehrsrechtsschutzversicherung ab, sofern keine entsprechende Familienversicherung besteht.

Wichtig: Nur wenige Tarife bieten vollen Rechtsschutz ab dem ersten Beitrag. In der Regel besteht eine Wartezeit von drei Monaten. Ein Verkehrsrechtsschutz ist rückwirkend nicht möglich.

Weitere Informationen rund um das Thema Versicherung findest du auch in unseren anderen Beiträgen:

Bildnachweise: Headerbild ©AdobeStock_620965619_HappyBall3692; Bild 1: ©AdobeStock_311196073_Ratta Lapnan

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