Kinderfahrradsitz vs. Fahrradanhänger für Kinder: Was ist sicherer?

Von Julia Schäfer 3 April, 2023
4 minutes
Fahrrad Kindersitz

Für viele Familien sind entspannte Radtouren mit den Kindern fester Bestandteil eines gelungenen Wochenendes. Doch was tun, wenn die Kleinsten noch nicht selbst Radfahren können, aber dennoch mit auf die gemeinsame Radtour sollen? Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, um Kinder sicher und bequem auf dem Fahrrad mitzunehmen. Den Kinderfahrradsitz und den Fahrradanhänger für Kinder. In diesem Artikel zeigen wir dir, welche der beiden Varianten die sicherere ist und worin die Vorteile beider Transportsysteme liegen.

Fahrradanhänger für Kinder: Perfekt für längere Fahrradtouren

Bestimmt sind auch dir auf der Straße schon zahlreiche Fahrradanhänger für Kinder aufgefallen. Für eine längere Fahrradtour scheint diese Transportvariante für alle Beteiligten sehr komfortabel zu sein. In der Tat bringen Fahrradanhänger einige Vor-, aber auch Nachteile mit sich. Die folgende Liste hilft dir dabei, herauszufinden, ob ein Kinderfahrradanhänger für dich und deine Familie infrage kommt. Dabei spielt es eine Rolle, ob der Fahrradanhänger 1 Kind oder 2 transportieren soll.

Vorteile

  • Dein Kind ist optimal vor Witterungseinflüssen, wie zum Beispiel vor Regen und Wind geschützt.
  • Bei einem Unfall ist das Verletzungsrisiko geringer.
  • Komfort: dein Kind kann entspannt sitzen, schlafen oder spielen
  • Es gibt auch Fahrradanhänger für zwei Kinder.
  • Du hast zusätzlichen Stauraum für Spielzeug, Proviant oder Gepäck.

Nachteile

  • Der Fahrradanhänger ist in der Anschaffung teurer als ein Fahrradsitz.
  • Für einen Fahrradanhänger benötigst du einen geeigneten Abstellplatz.
  • Weniger Flexibilität: Du kannst das Gespann aus Fahrrad und Fahrradanhänger nicht überall parken und abstellen.
  • Nicht an jedem Fahrrad lässt sich die passende Anhängerkupplung
  • Beim Rangieren und Bremsen ist die Handhabung zunächst gewöhnungsbedürftig.
  • Beim Fahren musst du die zusätzliche Breite des Anhängers berücksichtigen.

Fahrradsitz für Kinder: Platzsparender Allrounder im Stadtverkehr

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dir stattdessen einen Fahrradsitz für Kinder zuzulegen, kannst du diesen entweder vor dem Lenker oder über dem Hinterrad montieren. Überlege dir bereits im Vorfeld, welche Variante eher infrage kommt. Grundsätzlich hat auch ein solcher Kinderfahrradsitz sowohl Vorteile als auch Nachteile.

Vorteile

  • Der Fahrradsitz ist günstiger als der Anhänger.
  • Dein Kind befindet sich in deiner direkten Nähe.
  • Besonders gut geeignet für kurze Strecken.
  • Alltagstauglichkeit: Praktisch für den täglichen Gebrauch.
  • Einfache Montage.
  • Sitzwechsel ist unkompliziert.
  • Fußhalterungen und Gurtsysteme lassen sich individuell verstellen und bieten somit ein Maximum an Flexibilität.

Anmerkung: Die Sicherheit ist bei einem Hinterradsitz höher als bei einem Sitz, bei dem die Montage vorne am Lenker erfolgt. Du kannst dich natürlich auch für einen Fahrradsitz für Kinder auf dem Gepäckträger entscheiden.

Nachteile

  • Das Rad kann leichter umfallen.
  • Es besteht ein höheres Verletzungsrisiko für das Kind.
  • Dein Kind ist nicht vor Witterung, wie zum Beispiel Wind und Regen geschützt.
  • Ein Kinderfahrradsitz eignet sich nicht für lange Radtouren.
  • Gleichzeitig kannst du extra Gepäck, Proviant oder Spielzeug nur sehr schwer transportieren.
  • Die Sitzposition lässt sich nicht verändern, sodass die Fahrt für das Kind schnell unbequem wird.
  • Um auf dem Kindersitz mitfahren zu können, muss dein Kind bereits sicher und selbstständig sitzen können.
Fahrrad Kindersitz

Kindersitz und Anhänger im direkten Vergleich

Testergebnisse haben gezeigt, dass der Fahrradanhänger im Durchschnitt besonders gut abschneidet. Das liegt vor allem an der Gurtfixierung und dem stabilen Rahmen. Trotzdem sitzt das Kind im Fahrradanhänger relativ niedrig. Ein Kinderfahrradsitz garantiert bereits durch die Montage vor dem Lenker oder hinten am Gepäckträger eine erhöhte Sitzposition. Das bedeutet, dass dein Kind nicht so niedrig sitzt wie im Fahrradanhänger. Dieses Kriterium solltest du berücksichtigen, wenn es um den direkten Aufprallbereich eines Pkw geht. Die meisten Kindersitz-Modelle eignen sich jedoch nur für Kinder, die bereits stabil und sicher sitzen können. Im Fahrradanhänger kannst du bei Bedarf auch kleinere Kinder mitnehmen, beispielsweise mithilfe einer integrierten Hängematte.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt, dass du dein Kinder nur dann auf dem Fahrrad transportieren darfst, wenn

  • die fahrende Person mindestens 16 Jahre alt
  • das Kind nicht älter als sieben Jahre
  • der Transport in einem geeigneten Kindersitz oder Fahrradanhänger für 1 Kind oder 2 Kinder

Vor dem Kauf eines Kindersitzes oder Anhänger solltest du dich daher unbedingt mit den rechtlichen Bestimmungen vertraut machen.

Bedenke außerdem, dass dein Kinder bereits eigenständig sitzen können muss, ehe eine Mitnahme im Kinderfahrradsitz möglich ist. Im Durchschnitt sind Kinder dazu zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat in der Lage. Es gibt allerdings viele Hersteller, die auch eine Gewichtsuntergrenze von 9 Kilogramm vorgeben. Die Obergrenze für das Gewicht liegt meistens bei 23 bis 25 Kilogramm. Es gibt auch Fahrradsitze, die du direkt vorne am Lenker montieren kannst. Das Kind darf in diesem Fall aber nicht schwerer als 15 Kilogramm sein. Ab diesem Gewicht darfst du dein Kind nur noch über dem Hinterrad oder im Fahrradanhänger transportieren.

Selbstverständlich ist auch ein geeignetes Fahrrad für dich Voraussetzung, damit du mit deinem Kind im Straßenverkehr sicher unterwegs bist. Zu den wichtigsten Kriterien gehören ein stabiler Ständer, sowie gute Bremsen und breite Reifen. Achte unbedingt auf die DIN EN 14344 Norm, die es für alle einzuhalten gilt. Es gibt aber noch weitere Auswahlkriterien, die deine Kaufentscheidung beeinflussen sollten. Essenziell ist ebenfalls das Vorhandensein eines so genannten „Dreipunktgurtes“. Es ist wichtig, dass dein Kind diesen Gurt nicht eigenständig öffnen kann. Zusätzliche Sicherheit bieten Fußriemen an den Fußstützen. Du sparst dir übrigens Geld, wenn der Fahrradsitz mitwachsen kann. So lässt er sich nämlich umso länger nutzen. Dein Kind sitzt noch bequemer, wenn sich die Rückenlehne verstellen lässt. Für zusätzlichen Schutz des Kinderkopfes eignen sich Kopfstützen und Nackenstützen.

Ein Kinderfahrradhelm ist zwar keine Pflicht, trotzdem solltest du nicht darauf verzichten. Grundsätzlich gibt es für Fahrradfahrer:innen in Deutschland nämlich keine Helmpflicht. Ohne Helm ist das Verletzungsrisiko aber deutlich höher.

Eines der wichtigsten Sicherheitsmerkmale eines Fahrradanhängers ist dessen Sichtbarkeit im Straßenverkehr. Achte darauf, dass die Bremsen gut funktionieren und dein Kind kindgerecht sitzen kann. Ein Witterungsschutz sollte idealerweise ebenfalls vorhanden sein. Außerdem eignet sich ein Fahrradanhänger nur dann für den Alltagsgebrauch, wenn er absolut kippsicher gebaut ist. Eine zweiteilige Anhängerkupplung bietet dir weitere Vorteile. Achte darauf, dass dein Kind auch im Fahrradanhänger einen Fahrradhelm trägt.

Doch egal ob Fahrradanhänger oder Kinderfahrradsitz: In puncto Umweltfreundlichkeit bist du stets auf der sicheren Seite. Denn unabhängig davon, für welche Transportmöglichkeit du dich entscheidest: Mit dem Fahrrad bist du immer emissionsfrei unterwegs.

Fahrrad Kindersitz

Fahrradfahren mit Kindern: Rechtliche Regelungen und Vorschriften

Wenn du mit deinem Kind und dem Fahrrad unterwegs bist, solltest du die gängigen Vorschriften und Gesetze kennen:

  • Verfügst du über ein geeignetes Transportsystem (Fahrradanhänger mit Rückhaltegurt oder Kindersitz), kannst du bis zu zwei Kinder pro Fahrrad transportieren.
  • Kinder dürfen nur solange im (Baby-) Fahrradsitz oder Anhänger befördert werden, bis sie das siebte Lebensjahr vollendet haben. Danach ist ein Transport auf dem Fahrrad nicht mehr erlaubt.
  • Auch bezüglich des Gesamtgewichts des Anhängers gibt es einige Vorgaben. Achte deshalb auf die Herstellerangaben. Wenn du keine Angaben finden kannst, dann sollte das Gesamtgewicht bei einem ungebremsten Anhänger nicht mehr als 40 Kilogramm

Sieh dir in diesem Zusammenhang auch die Beschaffenheit der Bremsanlage und des Fahrradrahmens an. Diese muss auch hohen Belastungen standhalten können.

Seit 2018 müssen Fahrradanhänger ab einer Breite von 60 Zentimetern mit einer entsprechenden Beleuchtung ausgestattet sein. Achte daher beim Kauf darauf , dass die Leuchten und Rückstrahler deines Anhängers „bauartgenehmigt“ sind. Stelle außerdem sicher, dass die Beleuchtung nicht verdeckt ist. Wenn du einen älteren Fahrradanhänger hast, musst du diesen eventuell nachrüsten:

  • Vorne: Hier sollte der Anhänger über zwei weiße Reflektoren, links und rechts, verfügen. Der Abstand zur Außenkante darf dabei maximal 20 Zentimeter Ist der Kinderfahrradanhänger breiter als einen Meter, musst du außerdem eine weitere weiße Leuchte an der linken Seite anbringen.
  • Heckbeleuchtung: Hinten sollte der Anhänger auf der linken Seite mit einer roten Schlussleuchte ausgestattet sein. Achte darauf, dass das verwendete Rücklicht StVO-konform ist.
  • Seitlich: An der Seite müssen reflektierende Streifen in Weiß angebracht sein, dasselbe gilt für die Speichen, die Felgen oder die Räder. Ansonsten kann es auch eine Alternative mit zwei gelben Speichenrückstrahlern Diese Rückstrahler bringst du an jedem Rad versetzt um 180° an.

Bist du stolzer Besitzer oder Besitzerin eines E-Bikes, solltest du Folgendes berücksichtigen: Grundsätzlich ist es verboten, einen Fahrradanhänger an ein E-Bike anzuschließen. Es gibt aber die Möglichkeit, einen passenden Kindersitz am E-Bike zu montieren. Die Montage kann entweder auf dem Lenkrad oder auf dem Gepäckträger erfolgen.

Tipp: Bist du häufig mit dem Rad unterwegs, solltest du auf jeden Fall auch eine gute Fahrradversicherung abschließen. Entscheidest du dich für den Anhänger, kannst du auch den Fahrradanhänger versichern.

Fahrrad Kindersitz

Kinderfahrradsitz kaufen: Worauf du unbedingt achten solltest

Damit du dein Kind sicher auf dem Fahrrad transportieren kannst, ist ein geeigneter Fahrradkindersitz zwingend erforderlich. Beim Kauf eines solchen Kindersitzes gibt es jedoch einiges zu beachten:

  • Je nach Modell kannst du den Sitz entweder vorne oder hinten am Fahrrad befestigen. Dabei musst du aber sicherstellen, dass die Füße des Kindes nicht in die Speichen geraten können. (Straßenverkehrsordnung in § 21).
  • Mache dich am besten erst auf die Suche nach dem geeigneten Kinderfahrradsitz, wenn dein Kind bereits sicher und stabil sitzen Auch wenn es die Gewichtsuntergrenze von 9 Kilogramm überschritten hat, ist ein Transport im Kindersitz meist problemlos möglich. Es gibt übrigens auch Gewichtsobergrenzen, die meistens zwischen 22 und 25 Kilogramm liegen. Vor dem Kauf gilt es daher, die Herstellerangaben genau unter die Lupe zu nehmen.
  • Für den Transport deines Kindes mit dem Fahrrad hast du unterschiedliche Möglichkeiten. Es gibt Kindersitze, die du sowohl vorne bei der Lenkstange als auch hinten über dem Hinterrad befestigen kannst. Achte auch hier auf die Obergrenze von 15 Kilogramm, wenn du dich für die Variante am Lenker entscheiden solltest.
  • Sowohl das Fahrrad selbst als auch der Kinderfahrradsitz müssen diverse Anforderungen erfüllen. Nötig ist unter anderem ein Sicherheitsgurt mit drei Punkten. Dieses Drei-Punkte-System kennst du wahrscheinlich auch vom Autokindersitz.
  • Eine gute Polsterung ist ausschlaggebend, sodass dein Kind gemütlich und komfortabel sitzen kann.
  • Auf keinen Fall sollten am Sattel Federn freilegen. Ansonsten kann sich dein Kind in diesem Bereich die Finger einklemmen. Um das Problem zu vermeiden, kannst du dir bei einem Fahrradfachhändler spezielle Abdeckungen So schließt du diese Art der Verletzungsgefahr von Anfang an aus.
  • Zusätzliche Gurte an den Fußstützen können die Füße von deinem Kind fixieren. Dann kann dein Kind die Füße nicht in die Speichen deines Rades bringen.
  • Um für zusätzliche Sichtbarkeit im Straßenverkehr zu sorgen, helfen Reflektoren an der Rückseite. Auf diese Weise kannst du dafür sorgen, dass andere Verkehrsteilnehmer:innen die jungen Passagiere nicht so leicht übersehen.

Grundsätzlich gilt für den Kauf von einem Kinderfahrradsitz die Faustregel: Erst testen, dann kaufen. Wenn die Möglichkeit besteht, dein Fahrrad mitzunehmen, um den Kindersitz vor Ort auszuprobieren, solltest du diese wahrnehmen. Es ist wichtig, dass der Bügel passt und ausreichend Platz für die Halterungen vorhanden ist. Im Zweifelsfall kannst du im Fahrradgeschäft vor Ort nach einer möglichen Alternative fragen.

Tipp: Auf der Suche nach dem passenden Fahrradhelm für dein Kind solltest du ebenfalls auf Qualität achten. Es ist wichtig, dass der Fahrradhelm korrekt sitzt und sich gut schließen lässt. Auch dann, wenn dein Kind im Fahrradanhänger hinten sitzt, sollte es einen solchen Fahrradhelm tragen.

Weitere Informationen und Tipps für das Reisen mit der ganzen Familie findest du auch in unseren anderen Beiträgen:

 

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