Schmerzensgeld

Von Julia Schäfer 2 Oktober, 2023
4 minutes

Hat jemand dich jemand fremdes verletzt, hast du Anspruch auf Schmerzensgeld. Das gilt nicht nur für körperliche, sondern auch für seelische und psychische Verletzungen. Bei Schmerzensgeld handelt es sich also um eine Form von Schadensersatz. Wie du es beantragst und was dabei zu beachten gilt erfährst du im Folgenden.

Schmerzensgeld im BGB: Rechtliche Grundlagen

Geht durch einen Unfall ein Auto, Fahrrad oder anderer Gegenstand zu Bruch, ist das natürlich ärgerlich – allerdings kann so ein Schaden problemlos beziffert und ersetzt werden. Deutlich schwieriger ist dies, wenn Menschen zu Schaden kommen: Hier gibt es keinen Neupreis, Reparaturkosten oder andere, einfache Lösungen!

Daher bestimmt das BGB: Jedem, dem eine Verletzung des Körpers, der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung zugefügt wurde, steht eine Entschädigung zu. Im Gesetzestext ist dabei von “immateriellen Schäden” die Rede.

Diese Art von Entschädigung wird als Schmerzensgeld bezeichnet, da sie zum Ausgleich für Schmerz, Verlust von Lebensqualität oder andere Nachteile dienen soll. Besonders häufig wird Schmerzensgeld nach Autounfällen gezahlt, aber auch Arbeitsunfälle, ärztliche Behandlungsfehler oder Verbrechen (zum Beispiel Körperverletzung) können Auslöser sein. Auch Online ist eine solche Entschädigung möglich, wenn etwa deine Persönlichkeitsrechte oder der Datenschutz missachtet wurden!

Gut zu wissen: Oft werden “Entschädigung” und “Schmerzensgeld” gleichbedeutend verwendet. Tatsächlich bezieht sich ersteres aber auf Sachschäden, das heißt: Geht etwas zu Bruch, muss die verantwortliche Person (oder die Versicherung) den Schaden begleichen. Schmerzensgeld ist ein Begriff, der ausschließlich immaterielle Schäden beschreibt – also alles, was kein Preisschild hat.

Eine Reparaturkostenversicherung kann Schmerzensgeldansprüche von Dritten abdecken, die auf Fahrzeugschäden zurückzuführen sind, die durch einen Unfall verursacht wurden. Unsere Versicherung hilft dir, die finanzielle Belastung für Reparaturen oder Ersatzteile zu minimieren und Schmerzensgeldansprüche Dritter zu begleichen. 

Wann erhält man Schmerzensgeld?

Voraussetzung für Schmerzensgeld ist laut BGB, dass eine Person zu Schaden gekommen ist und etwa Schmerzen oder einen Verlust von Lebensqualität erlitten hat. Da die Definition solcher Schäden sehr weitläufig ist, kann auch die Frage “Wer/wie viel Schmerzensgeld bekommt man” sehr unterschiedlich ausfallen.

Ob ein Anspruch vorliegt, muss von Fall zu Fall untersucht und vor Gericht entschieden werden. In Verbindung mit den vielen Szenarien, in denen immaterielle Schäden auftreten können, wird es schnell recht kompliziert. Zu den wichtigsten Auslösern für Schmerzensgeldansprüchen zählen:

Entschädigung bei körperlichen und psychischen Schäden

Körperliche Schäden lassen sich anhand ärztlicher Atteste und der Genesungs-Prognose recht gut einschätzen. In der Folge kann das Gericht zum Beispiel das Schmerzensgeld für ein Schleudertrauma, ein gebrochenes Bein oder einen längeren Krankenhausaufenthalt bestimmen. Bevor jedoch festgelegt wird, wie viel Schmerzensgeld dir nun tatsächlich zusteht, kann es zu langwierigen Verhandlungen kommen.

Im Straßenverkehr treten solche Fälle vergleichsweise häufig auf. Schadensersatzforderungen sind als Folge eines Unfalls keine Seltenheit – immerhin wirken bei einem Crash erhebliche Kräfte auf die Insassen der Fahrzeuge ein! Es kommt schnell zu unterschiedlichsten Verletzungen. Liegt die Schuld hierfür bei einem anderen Verkehrsteilnehmer oder Verkehrsteilnehmerin und es entstanden Schäden, kann ein Anspruch auf Schmerzensgeld bestehen.

Umso wichtiger ist es daher, Unfälle zu vermeiden. Kommt es jedoch zum Ernstfall, musst du richtig reagieren und zum Beispiel wissen, was bei einem Auffahrunfall zu tun ist oder wie du reagieren solltest, wenn du Fußgänger:innen anfährst.

Etwas schwieriger gestaltet es sich oft, für psychische Schäden ein Schmerzensgeld zu berechnen. Doch auch hier kann ein Anspruch bestehen: Ein Trauma, etwa infolge eines Unfall-Ereignisses oder die konstante Belastung von Mobbing am Arbeitsplatz können Beispiele sein. Den Gerichten fällt es hier oft etwas schwerer, das Schmerzensgeld korrekt zu beziffern. Dennoch sollten sich Betroffene unbedingt an die Behörden wenden, um zu ihrem Recht zu kommen.

Auch wer online oder offline in einer Weise behandelt wird, die die Persönlichkeitsrechte angreift, kann eventuell Schmerzensgeld einfordern. Streng genommen handelt es sich dabei eigentlich nicht um ein Schmerzensgeld, sondern eine “Geldentschädigung für immaterielle Schäden”. Für die Betroffenen macht dies in der Praxis aber nur wenig Unterschied.

Im Zuge der strengen Datenschutzvorgaben der EU kommt es außerdem immer häufiger zu Fällen, in denen Schmerzensgeld bei einer unerlaubten Weitergabe der eigenen Daten erhoben wird. Dabei reichen die bekannten Fälle von 50 Euro Schmerzensgeld für eine unerwünschte Werbe-E-Mail bis hin zu 50.000 Euro für die Veröffentlichung von Daten, die “geeignet sind, Ehre und beruflichem Ruf zu schaden”.

Leider bedeutet das nicht, dass du für jede unliebsame Spam-Mail zukünftig 50 Euro erhältst. Viel mehr handelt es sich um einzelne Urteile, die vor Gericht erstritten wurden. Wurde gegen deine Rechte aus der Datenschutz-Grundverordnung verstoßen, kann eine Rechtsberatung und Schadensersatz sowie Schmerzensgeldforderung sinnvoll sein.

Schmerzensgeldanspruch im Todesfall

Im Todesfall kann unter Umständen ein Schmerzensgeldanspruch durch die Hinterbliebenen geltend gemacht werden. Hat die verstorbene Person vor ihrem Tod gelitten, kann das Schmerzensgeld verlangt werden. Dazu sind natürlich entsprechende Beweise notwendig. Verstarb das Opfer hingegen direkt oder innerhalb weniger Sekunden, lässt sich in der Regel kein Anspruch ableiten.

Auch psychische Leiden und Belastungen können von nahen Angehörigen geltend gemacht werden, wenn sie aufgrund eines solchen Todesfalls entstanden sind. Derartige Forderungen treten häufig im Zusammenhang mit schwerwiegenden Autounfällen und ähnlich dramatischen Ereignissen auf.

Wie viel Schmerzensgeld bekommt man? – Schmerzensgeld berechnen

Um eine angemessene Entschädigung zu gewährleisten, kommen sogenannte Schmerzensgeldtabellen zum Einsatz. Zudem fließen zahlreiche weitere Faktoren mit ein, denn jeder Fall muss einzeln analysiert werden. Folgende Aspekte spielen eine wichtige Rolle um die Höhe des Schadenersatzes zu definieren:

  • Inwieweit wurde das Leben der geschädigten Person beeinträchtigt?
  • Welches Ausmaß haben die Schmerzen?
    Musste sich der oder die geschädigte Person einer Operation unterziehen?
  • War eine ambulante Behandlung ausreichend oder musste der/die geschädigte stationär behandelt werden?
  • Wie alt ist der oder die betroffene Person?
  • Ist nach dem Geschehen eine Arbeitsunfähigkeit die Folge?
  • Sind etwaige Folgeschäden der betroffenen Person zu beobachten?
  • Trägt er oder sie eine Teilschuld?

Die Höhe der ausfallenden Summe können hierbei stark variieren. Die zugesprochenen Summen beginnen bereits bei wenigen Euro und enden bei sechsstelligen Summen: In einem besonders schweren Fall kam es durch einen Behandlungsfehler zu schweren Hirnschäden bei einem Kleinkind. Aufgrund der Schwere der Schäden und der Tatsache, dass das betroffene Kind in der Folge kein selbstständiges Leben führen konnte, wurde ein Rekord-Schmerzensgeld bestimmt: Eine Million Euro wurden gezahlt – derart hohe Summen bleiben aber die Ausnahme.

Die verantwortlichen Richterinnen und Richter orientieren sich bei Ihren Entscheidungen an den oben genannten Punkten. Unter anderem spielen jedoch auch folgende Punkte eine wichtige Rolle:

  • Verschuldungsgrad: Wurde fahrlässig oder gar vorsätzlich gehandelt?
  • Handelt es sich um Gefährdungshaftung?
  • Wie gestaltet sich die wirtschaftliche Situation des Schädigers?

Letztlich liegt es am Gericht, die Höhe des Schmerzensgeld festzusetzen.

So gilt zum Beispiel die tagesgenaue Schmerzensgeldberechnung als mögliche Alternative. Dabei wird die Anzahl der Tage, an denen Schmerzen erlitten wurde, erfasst. Weitere Faktoren werden genauen Regeln folgend erfasst und führen zu einer Erhebung, die womöglich objektiver und fairer gegenüber den Betroffenen wäre. Allerdings kommt es hierbei oft zu höheren Entschädigungssummen.

Übrigens: Pauschale Formeln á la “wie viel Schmerzensgeld pro Woche Krankschreibung?” funktionieren in der Praxis kaum. Zu viele Faktoren, wie zum Beispiel die genaue Verletzung, spielen hierbei eine Rolle. Ebenfalls ist das Schmerzensgeld bei bleibenden Schäden bedeutend höher. Solltest du einen Anspruch durch immaterielle Schäden haben, muss dieser geprüft werden.

Wer zahlt das Schmerzensgeld nach einem Autounfall oder einem Arbeitsunfall?

Bestätigt das Gericht einen Schmerzensgeldanspruch, muss die verantwortliche Person diesen begleichen. Besonders bei Autounfällen springt jedoch die Kfz-Haftpflichtversicherung ein.

Versicherungsunternehmen sind natürlich darauf bemüht, die Ausgaben für solche Fälle möglichst gering zu halten. Sie prüfen daher den jeweiligen Fall ganz genau. Ziel ist es, vor Gericht eine faire Lösung für beide Parteien zu finden. Dieser Vorgang kann entsprechend lange dauern. Und vor allem teuer werden, da hier Anwältinnen und Anwälte miteinander verhandeln – und dafür natürlich entlohnt werden. Die gute Nachricht: Ist der Anspruch bestätigt, übernimmt die Gegenpartei die Kosten für den Anwalt, sodass die geschädigte Person hier keine finanzielle Belastung fürchten muss. Sollte die zuständige Versicherung nicht zeitnah reagieren, kann dies die Zinsen für den Schmerzensgeldanspruch erhöhen.

 

Ganz anders sieht es hingegen bei vorsätzlichen Taten hinterm Steuer aus: Hier muss die Kfz-Versicherung je nach Vertrag an die Geschädigte Person oder den Regress zahlen. elbst hohe Schadensersatzforderungen müssen dann durch den Täter oder die Täterin beglichen werden, sofern keine Haftpflichtversicherung greift.

Schmerzensgeld einfordern: Darauf solltest du achten

Anhand der bisherigen Erklärungen hast du wahrscheinlich schon bemerkt, dass es nicht ganz einfach ist, Schmerzensgeld einzufordern. Solltest du daher einen Anspruch geltend machen wollen, ist es ratsam, wenn du einen Fachanwalt oder eine Fachanwältin beauftragst. Diese können dich in deinem Fall vertreten. Auch Nicht-Juristen können ihre Forderungen durchaus durchsetzen. Für sie ist es jedoch bei weitem schwieriger, zu einer vollständigen Entschädigung in ihrem Sinne zu gelangen.

 

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