Unfallgutachten: Die Bedeutung von Kfz-Schadengutachten bei einem Autounfall

Von John Smith 28 März, 2022
4 minutes
Unfallgutachten, Jemand schreibt ein Unfallgutachten auf einer offenen Motorhaube

Du hast dir gerade dein erstes Auto gekauft und nach kurzer Zeit ist es plötzlich passiert: Du hattest einen Autounfall mit Fremdverschulden und es gibt einen größeren Schaden an deinem Fahrzeug. In diesem Falle tauschst du mit dem/der Unfallverursacher:in deine Daten aus. Anschließend wird die Kfz-Versicherung eingeschaltet. Im Normalfall beauftragt die gegnerische Versicherung in diesem Fall einen Unfallgutachter. Du kannst und solltest dies aber auch selbst tun, damit du sicher sein kannst, nicht übervorteilt zu werden. Die gegnerische Versicherung wird wiederum versuchen, die Kosten für sich selbst so niedrig wie möglich zu halten. Ein Unfallgutachten wird nur auf Antrag der Versicherung oder von dir erstellt. Hier erklären wir dir, was ein Unfallgutachten ist, was es beinhaltet und was du beachten musst.

Was ist ein Kfz-Unfallgutachten?

Nach einem Verkehrsunfall bleiben häufig noch einige Fragen offen:

  • Wie war der genaue Ablauf des Unfalls?
  • Wer hat den Unfall zu verantworten?
  • Welche Schäden sind entstanden?

Ein Unfallgutachten von professionellen Sachverständigen dient dazu, eben diese Fragen zu klären. Es soll feststellen, welche Schäden durch den Unfall entstanden sind. Auch nicht offensichtliche Schäden, wie beispielsweise ein verzogener Kofferraum, sind dadurch mit dokumentiert. Somit hat man Beweise für die entstandenen Beschädigungen und der Schaden kann reguliert werden.

Die Kosten für ein Unfallgutachten trägst du nicht, sofern du den Unfall nicht selbst verschuldet hast. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass dies ein Teil der Unfallkosten ist. Ein durchschnittliches Unfallgutachten kann zwischen 500 und 800 Euro kosten. Für das Gutachten gibt es keine Frist, jedoch musst du den Schaden der Versicherung innerhalb von einer Woche melden.

Unfallregulierung nach einem Unfall: Unfallgutachter oder Werkstatt?

Wenn du einen Schaden nach einem Unfall dokumentieren und beziffern lassen möchtest, um Ansprüche geltend zu machen, hast du zwei Möglichkeiten. Einerseits kannst du Kfz-Sachverständige einschalten, um den Schaden zu dokumentieren.

  • Andererseits kannst du auch eine Werkstatt deines Vertrauens hinzuziehen. Diese nehmen die Beschädigungen ebenfalls auf und erstellen entweder ein Gutachten oder einen Kostenvoranschlag, den du dann deiner Versicherung vorlegen kannst. Die Fachleute in der Werkstatt können am besten einschätzen, welche der beiden Varianten die bessere ist.
  • Beispielsweise ist ein Kostenvoranschlag bei Bagatellschäden bis 750 Euro oft die kostengünstigere Lösung. Denn hier würden die Kosten für ein Unfallgutachten durch Unfallgutachter gegen die Schadensminderungspflicht verstoßen.
Unfallgutachten, Mann hockt neben Auto in Werkstatt und hat ein blaues Klemmbrett in der Hand
  • In anderen Fällen kann es hingegen sinnvoll sein, ein Gutachten erstellen zu lassen: Geht es beispielsweise um Streitigkeiten, gilt ein Kostenvoranschlag nicht als Beweismittel vor Gericht.
  • Außerdem ist es möglich, dass das Ausmaß des Schadens auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Die Versicherung der Unfallverursacher bezieht sich jedoch stets auf den (niedrigeren) Preis des Kostenvoranschlags. Demnach musst du für Schäden, die im Nachhinein zum Vorschein kommen, wie eine verzogene Tür, meist selbst aufkommen.
  • Ein offizielles Gutachten führt hingegen auch Schadenspositionen auf, die in einem Kostenvoranschlag keine Erwähnung finden. Dazu gehören auch die beim Kostenvoranschlag nicht kalkulierten Folgekosten eines Unfalls. Die entstandene Wertminderung wird ebenfalls mit eingerechnet. Sollte die Werkstatt noch im Nachhinein Schäden finden, die noch nicht im Unfallgutachten standen, trägt die Versicherung die Kosten für die Reparatur. Neben der Kostenberechnung ist das Unfallgutachten auch ein gültiges Beweismittel vor Gericht.

Doch egal, ob du ein Gutachten oder einen Kostenvoranschlag von einer Werkstatt erstellen lässt: In beiden Fällen haftet die Kfz-Haftpflichtversicherung der Unfallverursacher für die Kosten.

Selbstverschuldeter oder fremdverschuldeter Unfall? – Rechtliche Grundlagen im Schadensfall

Bei einem Unfall kommt es immer darauf an, ob er durch Fremdverschulden oder durch eigene Schuld entstanden ist.

  • Die Rechtslage ist bei einem fremdverschuldeten Unfall eindeutig. Die Unfallverursacher oder deren Kfz-Haftpflichtversicherung zahlen die Unfallgutachter, die Reparatur und alle entstandenen Personen-, Sach- und Folgeschäden. Hierbei kannst du dir auch unabhängige Unfallgutachter aussuchen. Denn oft entscheiden die von der gegnerischen Versicherung ausgewählten Unfallgutachter zugunsten der Unfallgegner (003323-B-0040).
  • Bei einem selbstverschuldeten Unfall brauchst du eine Kfz-Teil- oder Vollkaskoversicherung, um Schäden überhaupt geltend zu machen. Dasselbe gilt für Schäden durch höhere Gewalt, wie Elementarschäden, Schäden durch Vandalismus oder durch Wildunfälle. Hier kannst du zwar ebenfalls ein Unfallgutachten in Auftrag geben, musst jedoch die Kosten selbst tragen, sofern du über keine Kaskoversicherung verfügst.

Was kostet ein professionelles Unfallgutachten?

Die Kosten für ein Unfallgutachten richten sich im Regelfall nach der Höhe des Schadens. Meist haben Unfallgutachter spezielle Tabellen, in denen feste Beträge für spezifische Leistungen festgelegt sind und somit der Kostenabrechnung dienen. Wenn du nicht weißt, an welcheUnfallgutachter du dich wenden sollst, können wir dir auch jemanden empfehlen. Unabhängige Sachverständige findest du alternativ beim Deutschen Gutachter- und Sachverständigenverband oder beim TÜV. Es ist, außer bei Bagatellschäden, meistens sinnvoll, einen Unfallgutachter einzuschalten, um den Schaden in voller Höhe erstattet zu bekommen.

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