Erdgasauto: Clever Tanken mit Methan

Von Manu 30 Juni, 2023
4 minutes
Erdgasauto

Beim Stichwort „umweltbewusst Fahren” denken die meisten sofort an Elektroautos oder Hybridautos. Das Erdgasauto gerät in diesem Zusammenhang hingegen oft in Vergessenheit. Dabei ist Erdgas genau wie Strom eine ökologische Alternative zum herkömmlichen Diesel oder Benzin. Nachhaltige Mobilität rückt vermehrt in den Fokus der Verbraucher, und das Erdgasauto könnte als eine energiesparende Option dazu beitragen.

Erdgasauto: Innovative Fahrzeuge mit CNG-Antrieb

Der Motor eines Erdgasautos funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie der Verbrennungsmotor eines klassischen Benziners. Denn alle Fahrzeuge, die mit Erdgas betrieben werden, haben immer auch einen Benzintank. Dieser kann häufiger oder je nach Modell nur in Notfällen zum Einsatz kommen.

Den Erdgasmotor nennt man auch CNG-Antrieb, wobei die Abkürzung CNG für „Compressed Natural Gas” steht. CNG ist also komprimiertes Erdgas, das überwiegend aus Methan besteht. Es kann direkt aus dem Boden gefördert und ohne komplizierte Aufbereitung als Brennstoff genutzt werden.

Achtung: An der Tankstelle solltest du CNG keinesfalls mit Autogas (LPG) verwechseln. Denn das Flüssiggas LPG ist ein Nebenprodukt der Rohölindustrie und kann von einem CNG-Antrieb nicht als Kraftstoff genutzt werden.

H-Gas und L-Gas

An Tankstellen unterscheidet man zwischen H-Gas (High Caloric Gas) und L-Gas (Low Caloric Gas). H-Gas besitzt einen etwas höheren Methangehalt als L-Gas. Das bedeutet, dass du mit H-Gas weitere Strecken fahren kannst als mit der gleichen Menge an L-Gas. Dieser Leistungsunterschied wird aber durch einen niedrigeren Preis beim L-Gas wieder ausgeglichen.

Modelle: Welche Erdgasautos gibt es?

Die meisten Fahrzeughersteller konzentrieren sich bei ihren Neuentwicklungen vor allem auf den Bereich der Elektromobilität. Ein großes Angebot an Fahrzeugen mit CNG-Antrieb findest du in erster Linie beim VW-Konzern: VW, Seat, Audi und Skoda haben jeweils mehrere Modelle im Angebot. Daneben setzt vor allem Fiat bei einer Vielzahl an Modellen auf den alternativen Erdgas-Antrieb.

Vorteile, Nachteile & Kosten – lohnt sich die Anschaffung eines Erdgasautos?

Erdgas bekommst du an der Tankstelle nicht zu Liter-, sondern zu Kilogrammpreisen. Das macht den Preisvergleich mit Benzin und Diesel etwas schwierig, denn du musst dabei den Energiegehalt der verschiedenen Kraftstoffe beachten.

Ein Kilogramm H-Gas liefert beispielsweise gleich viel Energie wie etwa 1,5 Liter Benzin oder 1,3 Liter Diesel. Wenn also ein Kilogramm Erdgas 1,20 Euro kostet, dann müsste ein Liter Superbenzin um die 80 Cent kosten. Dann wäre dasselbe Preis-Leistungs-Verhältnis erreicht.

Diese Berechnung zeigt deutlich, dass die Kraftstoffkosten bei einem Erdgasauto wesentlich niedriger sind als bei Benzinern oder Dieselfahrzeugen.

Kosten und Förderung: Ist ein Erdgasauto aus finanzieller Sicht sinnvoll?

In der Anschaffung kostet ein Erdgasauto im Durchschnitt etwa 4.000 Euro mehr als ein vergleichbarer Benziner. Wenn du dein Auto lange nutzt und viel damit fährst, kannst du diese Ausgaben an der Tankstelle wieder einsparen. Bei einer Fahrleistung von rund 15.000 Kilometern pro Jahr lohnt sich die Anschaffung eines Erdgasautos nach etwa fünf Jahren.

Was die Inspektion beim Auto angeht, gibt es hingegen kaum Unterschiede zu einem konventionellen Fahrzeug. Für ein Erdgasauto kommt bei der Hauptuntersuchung (HU) lediglich eine Gas-Anlagen-Prüfung (rund 22 Euro) hinzu.

Einen entscheidenden finanziellen Vorteil gibt es bei Fahrzeugen mit CNG-Antrieb in Form von Förderungen und Zuschüssen. Der Staat unterstützt Erdgasautos mit einer niedrigen Kfz-Prämie. Auch kannst du oft von regionalen Gasanbietern finanziellen Support bekommen, beispielsweise in Form von Tankgutscheinen oder einmaligen Zuschüssen.

Wie umweltfreundlich sind Erdgasautos?

Gegenüber Benzin- oder Dieselfahrzeugen schneiden CNG-Autos in Sachen Umweltfreundlichkeit sehr gut ab. Die Verbrennung von Erdgas resultiert im Vergleich mit anderen Kraftstoffen in einen deutlich geringeren Feinstaub- und Schadstoffausstoß.

So setzen erdgasbetriebene Autos beispielsweise 35 bis 55 Prozent weniger Kohlendioxid frei, als es bei Benzin (Super) der Fall ist.

Tipp: Mit Bio-Gas kannst du das schädliche Treibhausgas sogar um bis zu 100 Prozent reduzieren.

Erdgasauto: Wie sicher sind die gasbetriebenen Fahrzeuge?

Grundsätzlich bringt die CNG-Technologie kaum Risiken mit sich. Voraussetzung ist hierbei jedoch, dass du dich an die vorgeschriebenen Inspektionsintervalle hältst und dein Erdgasauto regelmäßig prüfen lässt.

Erdgas ist für den Menschen nicht giftig und auch nicht krebserregend. Außerdem verfügt die CNG-Anlage eines Autos über spezielle Sicherheitsventile. Diese sorgen dafür, dass bei einem Crash oder Brand das Gas nicht unkontrolliert ausströmt oder explodiert. Unter freiem Himmel besteht zudem so gut wie keine Explosionsgefahr, weil sich das Gas sehr schnell in der Luft verflüchtigt.

Trotzdem kannst du manchmal für Erdgasautos in Tiefgaragen heute noch ein Verbotsschild finden. Solche Schilder sind meist ein Relikt aus den 90er-Jahren, bevor dieses Verbot in der Garagenverordnung (GAV) offiziell aufgehoben wurde. Denn mittlerweile sind Gasautos sogar sicherer als herkömmliche Autos. Trotzdem musst du dich prinzipiell an ein solches Schild halten. Am besten erkundigst du dich bei der zuständigen Person oder Instanz danach und weist diese  danach und weist ihn gegebenenfalls auf die geänderte Verordnung hin.

Erdgasauto anschaffen: Neu oder umrüsten?

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dir ein Erdgasauto anzuschaffen, hast du zwei Möglichkeiten: Du kannst einerseits ein neues oder ein gebrauchtes Erdgasauto kaufen. Andererseits kannst du auch ein herkömmliches Auto zum CNG-Auto umrüsten lassen.

Erdgasauto neu kaufen

Wenn du dich entscheidest, ein neues Erdgasauto ab Werk zu kaufen, kannst du zwischen zwei verschiedenen Typen wählen:

  1. Bivalente Fahrzeuge, die du wahlweise mit Erdgas oder Benzin betreiben kannst. Solche Hybridautos haben neben dem Gastank auch einen normalen Benzintank. Beim Fahren kannst du selbst bestimmen, welchen Kraftstoff du nutzen möchtest.
  2. Monovalente Fahrzeuge, deren Motoren das Erdgas optimal nutzen können. Diese Autos verfügen lediglich über einen kleinen Benzintank, der dich im Notfall bis zur nächsten CNG-Tankstelle bringt.

Benziner zum Erdgasauto umrüsten

Obwohl es möglich ist, ein Auto nachträglich mit einer CNG-Anlage zu versehen, ist eine solche Umrüstung eher selten. Denn die Nachrüstung ist nicht nur teuer, sie bringt oft auch weitere Nachteile mit sich: Meist ist es nicht möglich, den Erdgastank am Unterboden zu befestigen. Er kommt dann alternativ in den Kofferraum, wo er entsprechend viel Platz wegnimmt.

Außerdem hast du aufgrund der baulichen Veränderung oft nicht mehr die Möglichkeit, die Sachmängelhaftung oder Garantieversicherung deines Autos in Anspruch zu nehmen.

Falls du dich dennoch für eine Umrüstung entscheidest, solltest du diese unbedingt von einer Fachwerkstatt durchführen lassen. Wird die CNG-Anlage nicht von einem qualifizierten Betrieb eingebaut, kann es sein, dass das Fahrzeug nicht mehr zulassungsfähig ist.

Weitere Informationen zum umweltbewussten und nachhaltigen Autofahren findest du auch in unseren anderen Artikeln:

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