Feuerlöscher im Wohnmobil – Vorschrift oder Should-Have?

Von Julia Schäfer 20 September, 2023
5 Minuten

Auf deutschen Straßen brennen jedes Jahr rund 40.000 Fahrzeuge. Das sind umgerechnet über hundert kleinere und größere Brände pro Tag. Diese Zahlen zeigen auf erschreckende Weise, dass Fahrzeugbrände durchaus keine Seltenheit sind. Deshalb kann es also bei keinem Fahrzeug falsch sein, einen Feuerlöscher dabei zu haben. Wie es dabei mit den Vorschriften, speziell für Wohnmobile, aussieht, sehen wir uns in diesem Beitrag an.

Bremsen, Reifen und Kabel: Häufige Ursachen von Fahrzeugbränden

Ob Lkw, Pkw oder Wohnmobil – Bei allen motorisierten Gefährten lauert die Brandgefahr an den gleichen Stellen:

  1. Flüssigkeiten: Austretende Flüssigkeiten, beispielsweise Öl oder Kraftstoff, sind Brandursache Nummer eins. Denn treffen sie auf heiße Motorteile, kann es leicht zu einem Brand kommen.
  2. Bremsen: Die Bremsen deines Campingfahrzeugs können bei zu starker Belastung überhitzen. So kann schnell ein Brandherd entstehen. Wenn du lange Zeit bergab fährst, solltest du deshalb deine Bremsen so gut es geht schonen. Schalte in einen kleinen Gang und nutze die Motorbremse voll aus. So verhinderst du nicht nur einen Brand, du schonst auch deine Bremsscheiben und die Beläge. Aber auch auf geraden Strecken kann ein technischer Defekt an den Bremsen ebenfalls zu einem Fahrzeugbrand führen. Wenn sich beispielsweise die Bremstrommeln nicht mehr vollständig öffnen, bleiben sie in Kontakt mit dem Reifen. Durch die Reibungswärme beginnt das Gummi zu schmoren.
  3. Reifendruck: Ist der Luftdruck in deinen Reifen zu niedrig, erhöht sich ebenfalls die Reibung zwischen Gummi und Asphalt. Auf einer längeren Fahrt können die Reifen dadurch Feuer fangen. Vor jeder längeren Fahrt solltest du daher den Reifendruck prüfen.
  4. Kabel: Alte, kaputte oder falsch angebrachte Kabel erhöhen das Brandrisiko in einem Fahrzeug erheblich. Hast du nachträglich neue Geräte installiert, können hinter dem Armaturenbrett Brände entstehen. Das ist vor allem bei Wohnmobilen der Fall. Hier kommt es häufig vor, dass die Besitzer oder Besitzerinnen die elektronischen Komponenten nicht richtig aufeinander abstimmen.

Sollte es zu einem Brand kommen, bei dem dein Wohnmobil Schäden erleidet, ist unsere umfassende Autoversicherung die richtige Wahl. Vor allem eine Kaskoversicherung deckt die Kosten für Reparaturen an deinem Wohnmobils. 

Ab in den Urlaub: Feuerlöscherpflicht in Deutschland und der EU?

Ob du per Gesetz zum Mitführen eines Feuerlöschers verpflichtet bist, ist von Land zu Land unterschiedlich. Wenn du mit deinem Camper oder Wohnmobil eine oder mehrere Landesgrenzen überquerst, solltest du daher die nationalen Vorschriften kennen.

Feuerlöscherpflicht in Deutschland

In Deutschland gibt es kein Gesetz, das einen Feuerlöscher in einem privaten Fahrzeug vorschreibt. Lediglich für Fahrzeuge, die Personen, Waren oder Gefahrengut transportieren, ist es obligatorisch, einen Feuerlöscher dabei zu haben.

Laut Gesetz musst du hierzulande also keinen Feuerlöscher im Wohnmobil oder Wohnwagen dabeihaben. Wir empfehlen es dir aber trotzdem. Schließlich sollte es bei der Ausstattung deines Campers oder Wohnmobils nicht nur darum gehen, Bußgelder zu vermeiden. In erster Linie steht deine Sicherheit und die deiner Mitmenschen im Vordergrund. Ein Wohnmobil birgt deutlich mehr Gefahrenquellen als ein normaler Pkw: Du kochst darin beispielsweise auf einem Gasherd, duschst mit einem Durchlauferhitzer oder heizt mit einem Dieselofen. Außerdem kann es ebenso passieren, dass ein benachbartes Campingfahrzeug Feuer fängt. In solchen Situationen kannst du mit einem Feuerlöscher schnell und unkompliziert helfen.

In welchen Ländern ist ein Feuerlöscher im Wohnmobil Pflicht?

In diesen europäischen Ländern musst du zwingend einen Feuerlöscher in deinem Wohnmobil dabei haben. Diese Regel gilt auch, wenn du diese Länder lediglich auf dem Weg zu deiner Feriendestination durchquerst:

  • Belgien
  • Bulgarien
  • Estland
  • Griechenland
  • Lettland
  • Litauen
  • Rumänien
  • Russland
  • Türkei
  • Moldawien
  • Montenegro
  • Finnland

Einige Länder empfehlen zwar ausdrücklich einen Feuerlöscher, doch wirst du nicht bestraft, wenn du keinen dabei hast. Um bei einer Kontrolle Diskussionen zu vermeiden, solltest du in den folgenden Ländern dennoch einen Feuerlöscher mitführen:

  • Dänemark
  • Frankreich
  • Norwegen
  • Mazedonien
  • Polen
  • Schweden
  • Ungarn

In den folgenden Ländern gilt die Feuerlöscher Pflicht nur für dort zugelassene Fahrzeuge. Darin eingeschlossen ist also auch ein Wohnmobil, welches du vor Ort mietest:

  • Island
  • Polen

Gut zu wissen: In der Schweiz gibt es keine Vorschriften zum Mitführen eines Feuerlöschers. Hier musst du auch keinen Verbandskasten oder Warnweste vorzeigen können.

Der passende Feuerlöscher fürs Wohnmobil

Bevor du nun losziehst und einfach irgendeinen Feuerlöscher für deinen Camper kaufst, solltest du dich gut informieren. Ansonsten wirst du vom vielfältigen Angebot schnell verwirrt sein und möglicherweise eine falsche Wahl treffen.

Brandklassen: Feuerlöscher ist nicht gleich Feuerlöscher

Es gibt viele verschiedene Mittel zur Brandbekämpfung. Das liegt darin, dass es ebenfalls unterschiedliche Arten von Feuer gibt.

Je nachdem, welches Material brennt, lässt sich das Feuer einer anderen Brandklasse zuteilen. Und je nach Brandklasse musst du ein anderes Löschmittel wählen, um das Feuer effektiv bekämpfen zu können. Ein allgemein bekanntes Beispiel hierzu ist die brennende Fritteuse. Versuchst du, einen solchen Fettbrand mit Wasser zu löschen, kommt es zu einer explosionsartigen Verdunstung. Damit machst du alles nur noch schlimmer und aus einem kleinen Feuer wird ein lebensgefährliches Inferno.

Für einen Fahrzeugbrand kommen vor allem die folgenden Brandklassen infrage:

  • Brandklasse A: Hier stehen feste Stoffe in Flammen. Meist handelt es sich um Kunststoff, Textilien oder organisches Material wie Holz.
  • Brandklasse B: In diese Klasse fallen alle Materialien, die flüssig sind oder sich im Brandfall verflüssigen. Dazu gehören unter anderem Benzin, Diesel, Teer, Wachs, Lack und bestimmte Kunststoffe.
  • Brandklasse C: Hierbei handelt es sich um gasförmige Stoffe, die in Brand geraten. In einem Wohnmobil wären das in der Regel das Butan oder Propan in den Gasflaschen.
  • Brandklasse F: In diese Klasse gehören brennende Speiseöle wie beim oben genannten Fritteusen-Brand.

Das Symbol der jeweiligen Brandklasse findest du auf jedem Feuerlöscher der geforderten DIN EN 3-Norm.

Pulver, Schaum und CO2: Welches Löschmittel fürs Wohnmobil?

Innerhalb einer Brandklasse können verschiedene Löschmittel zum Einsatz kommen. Oft kannst du wählen zwischen Schaum, CO2 und unterschiedliche Pulver.

  • Pulver: Es gibt Feuerlöscher mit Glutbrand-, Metallbrand- oder Flammbrandpulver. Für deinen Camper kommt vor allem das Glutbrandpulver infrage, denn es ist ein echter Alleskönner. Du kannst es für die Brandklassen A, B und C Das Pulver schmilzt zu einer Sperrschicht, wenn es auf einen Brandherd trifft. Mit dieser Barriere verhindert es, dass sich das Feuer erneut entzündet. Der große Nachteil dieses Löschmittels ist, dass sich das Pulver wirklich überall verteilt. Es setzt sich hartnäckig in allen Ritzen und Spalten ab und ist äußerst schwierig zu entfernen.
  • Schaum: Ein Schaumlöscher ist eine saubere Alternative zum Feuerlöscher mit Glutbrandpulver. Der Schaum ist nach der erfolgreichen Löschaktion einfach zu entfernen und beschädigt keine Fahrzeugteile. Leider eignet sich dieses Löschmittel nur für die Brandklassen A und B. Zudem funktioniert es auch nur bei einer Umgebungstemperatur von mindestens fünf Grad Celsius.
  • CO2: Dieses Löschmittel erstickt einen Brand, indem es den Sauerstoff verdrängt. Da CO2 ein Gas ist, hinterlässt es keine Rückstände und führt zu keinen Löschschäden. Es eignet sich auch bestens für Brände an der Elektronik oder den Batterien, denn es leitet nicht. CO2 eignet sich generell nur zum Löschen eines Feuers im Innenraum des Wohnmobils. Draußen an der frischen Luft gelingt es dir damit nicht, genug Sauerstoff aus der Umgebung zu verdrängen. Außerdem musst du dir bewusst sein, dass CO2 nicht nur das Feuer erstickt. Vielmehr kann es auch Mensch und Tier gefährlich werden. Nach einem Löscheinsatz ist also gründliches Lüften angesagt.

Aufladelöscher vs. Dauerdrucklöscher: Das sind die Unterschiede

Nicht nur in ihrem Inhalt, sondern auch in der Bauweise unterscheiden sich Feuerlöscher voneinander:

  • Aufladelöscher: Diese Art von Feuerlöscher steht nicht ständig unter Druck. Ähnlich wie bei einem Soda-Stream oder einem Sahnespender befindet sich im Inneren eine Patrone. Diese enthält ein Treibgas. Wenn du einen Brand löschen willst, musst du zuerst den Auslöseknopf oben am Feuerlöscher betätigen. Dann ist es nötig, einen Moment zu warten. Tust du das nicht, steht der Behälter nicht unter Druck und du kannst nicht löschen.
  • Dauerdrucklöscher: Die Funktionsweise des Dauerdrucklöscherst unterschiedet sich stark von der eines Aufladelöschers. Hier sind das Löschmittel und das Treibgas im Innern des Feuerlöschers nicht voneinander getrennt. Das erspart dir im Notfall wertvolle Zeit. Denn du musst nicht noch einen Knopf suchen und das Treibgas freisetzen. Da diese Art von Feuerlöscher ständig unter Druck steht, sind die die Überprüfung und Wartung etwas aufwendiger.

Richtig löschen: Tipps für die Praxis

Zum Schluss geben wir dir noch einige wichtige Tipps mit auf den Weg. Natürlich hoffen wir, dass du nie mit einem Brand in deinem Wohnmobil zu kämpfen hast. Sollte es doch einmal so weit kommen, bist du zumindest bestens vorbereitet.

Feuerlöscher im Wohnmobil anbringen

Bei einem Brand nützt es dir nichts wenn du zwar einen Feuerlöscher dabei, ihn aber nicht schnell zur Hand hast. Sorge unbedingt dafür, dass er nicht irgendwo an einer unzugänglichen Stelle hinter allerlei anderen Dingen versteckt ist. Der beste Platz für deinen Feuerlöscher ist in der Fahrerkabine. Montiere ihn am besten vor oder neben deinem Sitz. So ist er nicht im Weg, aber trotzdem stets griffbereit.

Feuerlöscher regelmäßig warten

Sowohl Dauerdrucklöscher als auch Aufladelöscher musst du in regelmäßigen Abständen kontrollieren und warten lassen. Damit dein Feuerlöscher funktionstüchtig bleibt, solltest du ihn alle zwei Jahre zur Inspektion bringen. An wen du dich dafür wenden musst, kann dir der Kundendienst des Herstellers sagen. Alternativ kannst du dich auch an die örtliche Feuerwehr wenden.

Feuer im Wohnmobil löschen

Sollte der Ernstfall tatsächlich eintreten und dein Wohnmobil steht in Flammen, dann solltest du diese Regeln beachten:

  1. Alle Personen und Tiere müssen den Camper sofort verlassen. Ist der Ausgang versperrt, kannst du auch durch ein Fenster flüchten.
  2. Fordere beim Notruf (unter der 112) Hilfe an. Diese Nummer ist in ganz Europa gültig.
  3. Einen kleineren Brand kannst du versuchen, mit einem Feuerlöscher unter Kontrolle zu kriegen. Spiele dabei aber auf keinen Fall den Helden oder die Heldin und warte im Zweifelsfall lieber auf die Feuerwehr. Lass beispielsweise die Finger von einer brennenden Gasanlage, wenn du den Haupthahn nicht sofort abdrehen kannst.
  4. Alle Personen, die nicht an den Löscharbeiten beteiligt sind, sollten einen Mindestabstand von 50 Meter zum brennenden Wohnmobil halten.

Weitere spannende Informationen zu den Themen Kfz, Versicherung und dem Reisen mit dem Wohnmobil findest du in unseren anderen Beiträgen:

Bildnachweis: Headerbild: ©Bild von Engin Akyurt auf Pixabay; Image 1: ©Bild von Volker Glätsch auf Pixabay

background image

Aktuelle Updates erhalten

    Table of contents

      Lesen Sie auch