Nachtrunk: Lohnt sich Einspruch gegen Punkte und Bußgeld?

By Manu May 15, 2023
4 minutes
Nachtrunk

Häufig kommt es vor, dass Personen wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss Unfälle verursachen und infolgedessen angezeigt werden. Und gerade bei der Kombination aus Alkohol und Straßenverkehr kommt dann nicht selten der Einwand eines sogenannten Nachtrunkes. Doch was hat es damit überhaupt auf sich bzw. was ist ein Nachtrunk? Welche Strafen drohen, wenn es sich hierbei um eine unwahre Schutzbehauptung handelt? Wir schaffen Klarheit.

Was bedeutet Nachtrunk?

Zuerst geht es um die Bedeutung des Wortes Nachtrunk. Denn nur dir wenigsten wissen, wann man von einer Nachtrunkenheit spricht. Grundsätzlich liegt ein Nachtrunk immer dann vor, wenn man erst nach einer Autofahrt Alkohol zu sich nimmt. Somit hat man sich nicht betrunken hinters Steuer gesetzt, sondern erst dann etwas getrunken, nachdem man das Auto abgestellt hat. Zum einfacheren Verständnis haben wir ein Beispiel für dich:

Nehmen wir an, du bist mit dem Auto unterwegs und verursachst einen Schaden. Vielleicht hast du beim Ausparken versehentlich ein anderes Fahrzeug gestreift. Aus Angst vor den Konsequenzen setzt du deine Fahrt kurzerhand fort und machst dich auf den Weg nachhause. Zuhause angekommen, gönnst du dir auf den Schock erst mal einen hochprozentigen Cocktail. Einige Zeit später bemerkt die Polizei deinen verursachten Schaden und klingelt an deiner Türe, um dich mit dem Sachverhalt zu konfrontieren. Aufgrund deiner starken Alkoholfahne geht die Polizei jedoch davon aus, dass du den Schaden unter Einfluss von Alkohol verursacht hast. Du gibst allerdings an, während der Fahrt nüchtern gewesen zu sein und erst jetzt etwas getrunken zu haben.

Entspricht deine Einlassung der Wahrheit, so ist sie eine gute Verteidigung. Denn hast du vor dem eigentlichen Unfall keinen Alkohol getrunken, kannst du natürlich auch nicht betrunken gefahren sein. Dennoch ist diese Einlassung mit großer Vorsicht zu genießen, denn es ist schwierig, einen Nachtrunk zu beweisen. Hinzukommt, dass Nachtrunkbehauptungen auf Polizei-Beamte oft unglaubwürdig wirken.

Nur eine Schutzbehauptung oder die Wahrheit?

Handelt es sich um eine bloße Schutzbehauptung oder um die Wahrheit? Um die Nachtrunkenheit zu widerlegen, bedarf es zuerst eine genaue Überprüfung der Angaben des Täters bzw. der Täterin. Außerdem ist eine Berechnung der jeweiligen Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit nötig. Hierfür erfolgen zwei Blutabnahmen im Abstand von 30 Minuten. Ist der zweite Wert geringer als der erste, so gilt der Nachtrunk als widerlegt und dem/ der Fahrer:in drohen schwerwiegende Sanktionen. Denn der menschliche Körper beginnt erst rund zwei Stunden nach dem Alkoholkonsum damit, diesen abzubauen. Infolgedessen müsste die zweite Blutprobe mehr Promille aufweisen als die erste. Ist dies nicht der Fall, haben die Beamten den/die Fahrer:in einer Lüge überführt.

Es ist wichtig zu betonen, dass Unfälle sowohl mit als auch ohne Alkoholeinfluss passieren können. Allerdings führt Alkoholkonsum zu einem erhöhten Unfallrisiko und kann nicht nur teure Folgen, sondern auch den Verlust des Führerscheins nach sich ziehen.

In jedem Fall ist eine gut abgestimmte Autoversicherung entscheidend, insbesondere im Hinblick auf mögliche Beitragserhöhungen nach einem Unfall.

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Hin und wieder kommt es allerdings auch vor, dass trotz der vorliegenden Blutwerte noch immer nicht ganz klar ist, ob ein Nachtrunk besteht oder eben nicht. Ist dem so, kann als letzter aussagekräftiger Test eine Begleitstoffanalyse durchgeführt werden. Denn jedes alkoholische Getränk beinhaltet unterschiedliche Begleitstoffe wie Farb-, Geschmacksstoffe und Co. Anhand der Art und Menge der Begleitstoffe kann der Gutachter recht einfach feststellen, welcher Alkohol getrunken wurde. Sofern das Gutachten nicht mit der behaupteten Art des konsumierten Alkohols zusammenpasst, kann die Nachtrunkeinlassung ebenfalls entkräftet werden. Sodass es für den Beschuldigten bzw. die Beschuldigte auch in diesem Fall schlecht aussieht.

Diese Strafen drohen

Da die Strafen, die nach einer Fahrt unter Alkoholeinfluss fällig werden, unglaublich hoch sind, berufen sich immer wieder zahlreiche Fahrer bzw. Fahrerinnen auf den Nachtrunk. Im Strafrecht ist genau geregelt, ab wann eine absolute Fahruntüchtigkeit vorliegt. Wer also mit mehr als 1,1 Promille hinter dem Steuer sitzt, begeht eine Straftat, die nach Paragraph 316 des Strafgesetzbuches geahndet wird. In diesem Fall drohen nicht nur Punkte in Flensburg, sondern auch eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Mitunter kommt es sogar zum Führerscheinentzug und einer damit verbundenen Sperrfrist.

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Bildnachweise: Headerbild: ©AdobeStock_73315210, Africa Studio; Bild 1: ©AdobeStock_464015185, PropCop Effects

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