Was bedeutet es „auf Sicht“ zu fahren?

img Erik Lehnert
Fahren auf Sicht

Normalerweise fährst du ja so, dass du dich zum Beispiel an das vorgeschriebene Tempolimit hältst. Doch hättest du gedacht, dass das gar nicht immer erlaubt ist? In der Straßenverkehrsordnung gibt es nämlich ein „Sichtfahrgebot“. Was hinter diesem „Fahren auf Sicht“ steckt, erklären wir hier.

 

In diesen Momenten solltest du auf Sicht fahren:

Beim Fahren auf Sicht geht es darum, die Geschwindigkeit so anzupassen, dass du im Bremsfall innerhalb des von deinen Augen erfassten Bereichs anhalten kannst.

Ist die Sicht zum Beispiel durch Regen, Nebel oder eine unübersichtliche Streckenführung beeinträchtigt, musst du deine Geschwindigkeit entsprechend reduzieren. Bei Dunkelheit etwa ist also der Bereich dein Sichtbereich, der von deinen Scheinwerfern beleuchtet wird. Innerhalb diesem musst du bremsen können! Auf Landstraßen kann es deshalb sinnvoll sein, das Fernlicht einzusetzen, um eine bessere Sicht zu gewährleisten.

Und dann gibt es auch noch den Begriff „Fahren auf halbe Sicht“.

Das bedeutet, dass du in der Lage sein musst, auf der Hälfte der Strecke, die du überblicken kannst, anzuhalten. Auf engen Straßen, die bei Gegenverkehr gefährlich werden könnten, kommt diese Methode häufig zum Einsatz.

Der Grund: Nur so kannst du noch innerhalb deines Sichtbereiches anhalten. Vor allem als Fahranfänger*in solltest du dich an diese Regel halten. Denn kommt es zu einem Unfall, kann das bei Nichtbeachtung des Sichtfahrgebots auch Auswirkungen auf deinen Versicherungsschutz haben.

 

(Lies hier auch alles zur Fahranfänger Versicherung)

Fahren auf Sicht

Maximales Tempo bei folgenden Sichtweiten

Eine generelle Formel zum Tempo beim Fahren auf Sicht oder auf halber Sicht gibt es nicht. Auf alle Fälle aber muss die Geschwindigkeit den Verhältnissen angepasst sein. Mal angenommen, du fährst auf einer schmalen Straße mit Gegenverkehr. Durch enge Kurven und andere Hindernisse kannst du den Straßenverlauf maximal 50 Meter weit einsehen. In einer Gefahrensituation – also wenn dir beispielsweise ein anderes Fahrzeug entgegenkommt – musst du nun deinen Anhalteweg berechnen.

Der wäre je nach Geschwindigkeit 50 Meter – also genau so weit, wie dein Sichtbereich. Da der andere Fahrer aber ebenfalls einen Anhalteweg von 50 Metern hat, würdet ihr zusammenstoßen.

Damit das nicht passiert, wird in einer solchen Situation auf halbe Sicht gefahren.

Besonders bei widrigen Witterungsbedingungen wie Nebel, Schnee oder Regen musst du dein Fahrtempo den jeweiligen Sichtverhältnissen anpassen. Die Leitpfosten am Straßenrand kannst du dabei als Orientierung nutzen. Denn die stehen auf Autobahnen und Bundesstraßen normalerweise immer 50 Meter voneinander entfernt.

  • Erkennst du in deinem Sichtbereich nur einen Pfosten, solltest du auf keinen Fall schneller als 50 Stundenkilometer fahren – auch auf der Autobahn. Bei noch schlechterer Sicht kann sogar dieses Tempo noch zu hoch sein.
  • Ist die Sicht auf 100 Meter begrenzt, solltest du maximal 80 Stundenkilometer fahren.
  • Und siehst du weniger als 150 Meter weit, ist alles über 100 Stundenkilometer schon zu schnell.

Ausreichend Sicherheitsabstand halten

Hast du eine eingeschränkte Sicht auf die vor dir liegende Strecke, gibt’s nur eins: Tempo drosseln!

Damit erhöhst du gleichzeitig den Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Der Abstand zwischen dir und dem Fahrzeug, das vor dir fährt, sollte bei schlechter Sicht immer deiner Sichtweite entsprechen.

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