Beifahrerinnen und Beifahrer: Hinweise für Mitfahrende

Von Marie 29 März, 2023
4 minutes
Beifahrer

Hinter dem Steuer musst du dich an die Verkehrsregeln halten. Überfährst du eine rote Ampel oder missachtest den Mindestabstand, drohen dir Bußgelder. Doch auch als Beifahrer oder Beifahrerin kann dein Verhalten durch die Straßenverkehrsordnung (StVO) sanktioniert werden. Das gilt nicht nur für Verstöße, die du direkt begehst, sondern auch Verhaltensweisen, mit denen du den Fahrer oder die Fahrerin maßgeblich beeinflusst. Wir sagen dir, was du als Auto- oder Motorrad-Beifahrer oder -Beifahrerin beachten solltest. Und auch, was du bedenken musst, wenn du einen Beifahrer oder eine Beifahrerin mitnehmen möchtest. Denn situationsabhängig seid ihr entweder auf euch selbst gestellt oder werdet als Team wahrgenommen.

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Welche Regeln gelten auf dem Beifahrersitz?

Du bist ohne Auto auf der Party und erhältst eine Mitfahrgelegenheit? Wollt ihr zeitgleich gehen, ist das eine perfekte Gelegenheit. Doch einfach ein- und am Ende wieder aussteigen, reicht nicht aus. Denn auch auf dem Beifahrersitz musst du Regeln beachten.

  • Bereits seit über vier Jahrzehnten ist in Deutschland die Anschnallpflicht gesetzlich vorgeschrieben. Geregelt ist sie in § 21a StVO – und sie gilt auf allen Plätzen. Bist du als volljähriger Beifahrer oder Beifahrerin nicht angeschnallt, trägst du selbst für mögliche Konsequenzen die Verantwortung. Kommst in eine Polizeikontrolle, droht dir ein Bußgeld. Wirst du bei einem Unfall verletzt, wird dir möglicherweise eine Mitschuld zur Last gelegt.
  • Ebenso kannst du es nicht auf den Fahrer oder die Fahrerin schieben, verursachst du durch das Öffnen deiner Autotür einen Schaden oder Unfall. Als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr gewertet, kann darauf eine Geld- oder sogar Haftstrafe folgen.
  • So strenge Vorschriften wie hinter dem Steuer gelten für dich allerdings nicht. So darfst du als Auto- oder Motorrad-Beifahrer oder -Beifahrerin grundsätzlich betrunken sein, solange du dich nicht in die Fahrzeugführung einmischt. Es gibt jedoch Ausnahmen: Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen und verantwortliche Begleiter beziehungsweise Begleiterinnen sollten auch auf dem Beifahrersitz auf starken Alkoholgenuss verzichten. Hier gilt aufgrund der hohen Verantwortung ebenfalls die gesetzlich vorgeschriebene Promillegrenze. Bei einer Überschreitung drohen nicht nur hohe Bußgelder oder Punkte in Flensburg. In schwerwiegenden Fällen kannst du als Beifahrer oder Beifahrerin sogar den Führerschein verlieren.
  • Auch dein Mobiltelefon darfst du nutzen, sitzt du nur neben dem Steuer. Allerdings solltest du davon absehen, dem Fahrer oder der Fahrerin während der Fahrt das neueste Instagram-Foto unter die Nase zu halten. Denn durch die Ablenkung erhöhst du das Unfallrisiko. Viel besser: Du nutzt es als GPS und führst euch damit direkt zum Ziel!
  • Grundsätzlich musst du als Beifahrer oder Beifahrerin nicht sicherstellen, dass der Fahrer oder die Fahrerin einen Führerschein besitzt. Handelt es sich jedoch um deinen Wagen, trifft dich nach § 21 StVO eine sogenannte Erkundigungspflicht. Was du keinesfalls tun solltest: Eine Person zum Fahren ohne Fahrerlaubnis anstiften oder bestärken. Werdet ihr erwischt, kann das für euch beide einschneidende Konsequenzen haben.

 

Haften Beifahrerinnen oder Beifahrer bei Straftaten der fahrenden Person?

Du kennst jetzt also deine Rechte und Pflichten als Beifahrer und Beifahrerin. Doch bist du auch für das Verhalten der Person verantwortlich, die das Kraftfahrzeug steuert?

  • Beginnen wir mit einem gängigen Problem: Alkohol am Steuer. Nach dem neuen Bußgeldkatalog 2022 drohen harte Sanktionen beim Überschreiten der Promillegrenze. Ihre Höhe ist in § 24a Straßenverkehrsgesetz geregelt und liegt aktuell bei 0,5. Doch wann ist diese Grenze erreicht? Stoßen du und deine Freunde und Freundinnen auf den erfolgreichen Studienabschluss an, dürft ihr euch ruhig ein Glas gönnen. Doch was, wenn der- oder diejenige, der oder die dich nach Hause bringt, sich mehr genehmigt? Als Beifahrer beziehungsweise Beifahrerin trägst du nach geltender Rechtsprechung bei einer offensichtlichen Alkoholisierung bei einem Unfall eine Mitschuld. Bei einer weniger deutlich erkennbaren Trunkenheit wird im Einzelfall über eine mögliche Verletzung deiner Sorgfaltspflicht entschieden. Hast du beispielsweise selbst zu tief ins Glas geblickt, werden niedrigere Maßstäbe angesetzt als bei einer Nüchternheit.

Bemerkst du erst während der Fahrt Anzeichen alkoholisierten Fahrens, versuche, verbal eine Weiterfahrt zu verhindern. Greife jedoch auf keinen Fall ins Lenkrad – damit erhöhst du das Unfallrisiko.

  • Begeht der Fahrer oder die Fahrerin nach einem Unfall Fahrerflucht, hängt deine mögliche Strafbarkeit als Beifahrer oder Beifahrerin ebenfalls vom Einzelfall ab. Du hast nach § 142 Strafgesetzbuch zum Unfall beigetragen oder animierst die Person am Steuer zur Fahrerflucht? Dann musst auch du mit Konsequenzen rechnen. Bist du in keiner Weise an der Fahrerflucht beteiligt, wirst du ausschließlich als Zeuge betrachtet.
Beifahrerin

Hinweis: Du kannst auch indirekt verantwortlich für die Strafbarkeit des Fahrers oder der Fahrerin sein. Denn eine mitfahrende Person auf dem Blitzerfoto dient möglicherweise als Schlüssel zur Identifizierung des Autofahrers oder der Autofahrerin. Zwar wird auf einem Blitzerfoto der Beifahrer oder die Beifahrerin in der Regel unkenntlich gemacht. Eine Pflicht hierzu besteht allerdings nicht. Vielmehr sind die zuständigen Behörden berechtigt, aus dem Bild Rückschlüsse auf den Wagenlenker beziehungsweise die Wagenlenkerin zu ziehen.

Beifahrerin oder Beifahrer bei Unfall verletzt – wer haftet?

Nicht immer kann ein Airbag gesundheitliche Beeinträchtigungen verhindern. Werden Beifahrer oder Beifahrerinnen bei einem Unfall verletzt, geht es auch um die Begleichung finanzieller Einbußen wie einem Verdienstausfall oder Arztkosten. Oftmals stehen daneben Schmerzensgeldansprüche im Raum.

Prinzipiell übernimmt die Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters oder der Fahrzeughalterin Schäden Dritter. Ohne Unfallgegner kannst du sie aufgrund ihrer Gefährdungshaftung auch bei einem schuldlosen Fahrverhalten in Anspruch nehmen. Kann dir das Versicherungsunternehmen allerdings eine Mitschuld nachweisen, ist es zur Kürzung oder sogar Verweigerung seiner Leistungspflicht berechtigt. So zum Beispiel, wenn du auf dem Beifahrersitz nicht angeschnallt bist. Oder auch dann – wir haben es bereits erwähnt –, lässt du dich bewusst von einem alkoholisierten Fahrer oder Fahrerin steuern.

Bei einer Kollision mehrerer Kraftfahrzeuge haften die Versicherer der Unfallbeteiligten gemeinsam für Verletzungen der Insassen. Hier kannst du wählen, an welches Unternehmen du dich für eine Schadenswiedergutmachung hältst. Inwieweit der Fahrer oder die Fahrerin deines Wagens Verantwortung am Unfall trägt, ist dabei unerheblich.

Ab wann dürfen Kinder vorne mitfahren?

Du holst deine Nichte vom Sportunterricht ab? Dann bist du für deine minderjährige Beifahrerin verantwortlich. Zunächst musst du allerdings sicherstellen, dass sie schon vorne sitzen darf. Für Kinder auf dem Beifahrersitz gibt es eindeutige gesetzliche Regelungen. Sind sie größer als 1,50 Meter oder mindestens zwölf Jahre alt, dürfen sie angeschnallt nach vorne. Für Babys und Kleinkinder gibt es eine Kindersitzpflicht. Sie dürfen dann neben dir Platz nehmen, schnallst du sie in einem passenden Kindersitz fest. Stellst du eine Babyschale gegen die Fahrtrichtung auf, musst du während der Fahrt den Beifahrer-Airbag deaktivieren.

So kannst du die fahrende Person unterstützen

Als Beifahrer oder Beifahrerin hast du nicht nur Pflichten. Du kannst die Person hinter dem Steuer auch auf relevante Sachverhalte hinweisen und dadurch die Fahrsicherheit erhöhen.

  • Knappe Überholmanöver oder unnötige Schlenker verursachen ein flaues Gefühl in deinem Magen? Weise den Fahrer oder die Fahrerin auf die Konsequenzen einer gefährlichen Fahrweise für andere Verkehrsteilnehmer hin. Bei einer netten Bitte werden er oder sie diese für den Rest der Fahrt sicher unterlassen.
  • Du siehst, dass gleich ein Hund auf die Straße läuft oder die Ampel auf Rot springen wird? Wer auch immer das Kraftfahrzeug steuert, ist dir für solche Hinweise dankbar. Denn so lassen sich Verkehrsverstöße verhindern – und damit auch mögliche Bußgelder.
  • Spiele den Wegweiser! Bediene das Navigationsgerät und achte auf die Straßennamen. So kann sich der Fahrer beziehungsweise die Fahrerin auf das Lenken und die Geschwindigkeit konzentrieren und ihr kommt mit Teamwork ans Ziel.
  • Es muss nicht immer an Alkohol liegen. Bemerkst du, dass dein Freund oder deine Freundin müde, traurig oder unkonzentriert ist, biete einen Platztausch an.

Bei all dem gilt: Mische dich nicht ein, nur weil du anders fahren würdest. Als Beifahrer solltest du nicht über die Radiostation entscheiden oder einfach den Scheibenwischer bedienen. Und vermeide unbedingt Ablenkungen wie Streitgespräche oder das Versperren der Sicht.

Bildnachweise: Headerbild © AdobeStock_238375419 photoschmidt; Bild 1 © AdobeStock_303838069 loreanto

 

 

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