Dauercamping – Wenn Camping zum Standard wird!

Von Julia Schäfer 14 September, 2023
4 minutes

Ein Leben im eigenen Wohnmobil klingt für viele Menschen nach einem Traum von Freiheit, Abenteuer und niedrigen Kosten. Doch wie realistisch ist die Idee vom Dauercamping wirklich?

Wir haben für dich zusammengefasst, für wen diese Lebensweise infrage kommt, welche Nachteile es gibt und mit welchen Dauercamper-Kosten du rechnen musst!

Was ist Dauercamping?

Camping ist für viele Deutsche eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Egal ob mit den Freunden, entspannt mit der Familie, auf einem Campingplatz oder nur im eigenen Garten: Das Übernachten in Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil ist einfaches und meist günstiges Vergnügen.

Dauercamper treiben das Konzept jedoch auf die Spitze: Wie der Begriff schon vermuten lässt, geht es beim Dauercamping um ein langfristiges Wohnen auf einem Campingplatz. Dabei verlegen Menschen ihren Lebensmittelpunkt auf längere Zeit in ihren Wohnwagen oder das Wohnmobil. Dauercamping ist jedoch kein klar definierter Begriff. So unterschiedlich wie die Gründe der einzelnen Dauercamper sind auch die Formen.

Diese Arten von Dauercamping gibt es

Saison Camping

Der wichtigste Unterschied beim Dauercamping ist zweifellos die Zeit, die du in deinem Wohnmobil oder Wohnwagen verbringst. Am weitesten verbreitet ist dabei das sogenannte “Saison-Camping”. Hier lebt man eine Saison (etwa den Sommer) über auf einem Campingplatz. Wenn es kalt wird, ziehen die Camper wieder in ihr reguläres Haus oder Wohnung um.

Wochenend-Camping

Auch das “Wochenend-Camping” wird gelegentlich zum Dauercamping gezählt. Oft benötigen die Besitzerinnen oder Besitzer eines Wohnmobils ohnehin einen Platz für ihr Gefährt. Warum also nicht einen Stellplatz auf einem Campingplatz anmieten? Man kann dann problemlos Wochenenden und Urlaube dort verbringen.

Echtes Dauercamping

Die intensivste Form von Dauercamping ist aber zweifellos der vollständige Umzug ins eigene Wohnmobil. Auch ein stillgelegter Wohnwagen/Wohnmobil mit Anbauten, Gartenzaun und Co. kann in diese Kategorie fallen. Ob du dein Fahrzeug abmeldest oder nicht und wie viel Energie man in den Ausbau steckt, bleibt jedem selbst überlassen – beim Dauercamping gibt es viele Möglichkeiten.

Dauercamping – das gilt für die Versicherung

Welche Versicherung für das Dauercamping notwendig ist, hängt davon ab, ob deine Behausung zugelassen bleibt. Ist dein Wohnort ein angemeldetes Wohnmobil oder Wohnwagen, kommen die Kosten einer Wohnmobilversicherung  auf dich zu. Wie bei anderen Fahrzeugen auch hängt der Preis hierbei von der gewählten Versicherung ab.

Zusätzlich kann eine Campingversicherung sinnvoll sein: Sie schützt dein Wohnmobil oder Wohnwagen sowie Vorzelt und Einrichtung gegen typische Schäden. Deine Wohnmobil-Ausstattung ist auch mitversichert, nicht jedoch feste Anbauten.

Wenn du dein Wohnmobil vollständig abmeldest, ist keine Kfz-Haftpflicht oder Wohnmobilversicherung mehr nötig. Um dein (ehemals) mobiles Heim jedoch trotzdem gut zu versichern, solltest du eine sogenannte Dauercamping-Versicherung abschließen. Sie deckt in der Regel auch feste Anbauten, Strom- und Wasserleitung etc. mit ab.

Was ist mit TÜV und Steuern beim Dauercamping?

Nutzt du für das Dauercamping ein angemeldetes Wohnmobil oder Wohnwagen, muss natürlich auch eine regelmäßige TÜV-Prüfung erfolgen. Kfz-Steuer für dein Wohnmobil wird ebenfalls fällig, wenn du es auf deutschen Straßen bewegen möchtest. Die Gasprüfung im Wohnwagen oder Wohnmobil ist keine Voraussetzung für die TÜV-Plakette, im Falle eines Unfalls jedoch oft relevant!

Entscheidest du dich für eine vollständige Abmeldung deiner Behausung, entfällt sowohl die Steuer und der TÜV-Besuch. Ob das Abstellen von abgemeldeten Fahrzeugen auf deinem Wunschplatz möglich ist, erfährst du bei der Verwaltung des Dauerstellplatzes. Deinen Wohnwagen oder Wohnmobil kannst du später wieder anmelden. Du musst dann jedoch wieder eine neue Wohnmobil-Zulassung beantragen und gegebenenfalls dein Fahrzeug dem TÜV vorführen. Eine vollständige Abmeldung sollte daher wohlüberlegt sein.

Gut zu wissen: Ein Feuerlöscher im Wohnmobil ist keine Pflicht und auch der TÜV erwartet diesen nicht. Dennoch ist die Anschaffung sinnvoll!

Diese Regeln gelten beim Dauercamping

Ein Dauerstellplatz für deinen Wohnwagen oder Wohnmobil ist in der Regel ein Privatgelände. Es gehört der Inhaberin oder dem Inhaber des Campingplatzes. Somit unterliegst du grundsätzlich den dort geltenden Regeln.

Die Verwaltung des Campingplatzes kann zum Beispiel über das Besuchsrecht entscheiden: in vielen Fällen müssen sich deine Gäste an der Rezeption anmelden und eventuell sogar eine Tagespauschale entrichten.

Auch die Gestaltung deiner Parzelle unterliegt den Vorgaben des Platzes. Bei zahlreichen Maßnahmen hat die Verwaltung das letzte Wort: Das Pflanzen von Bäumen, Hecken und Sträuchern, Errichten von Geräteschuppen, Carports oder festen Anbauten, welche Art von Sichtschutz (und welche Höhe) erlaubt ist und vieles mehr. Entscheidest du dich für das Dauercamping, solltest du schon vor der Platzwahl einen Blick in die örtlichen Regeln und Vorschriften werfen.

Beim Dauercamping bist du außerdem für die Pflege deines Stellplatzes für Wohnwagen oder Wohnmobil verantwortlich. Dazu gehört zum Beispiel das Rasenmähen, Stutzen der Hecken und Büsche oder Schneeräumen. Auch hier kommt es jedoch auf den konkreten Campingplatz an: Gemeinschaftslösungen wie ein allgemeiner Räumdienst sind häufig anzutreffen.

Empfehlenswert ist zudem ein genauer Blick auf den Unterbau: Um ein Einsinken zu vermeiden, können die Stützen auf Steinplatten gestellt werden. Bei längerer Standzeit ist ein Aufbocken und sogar das Abmontieren der Reifen sinnvoll, um Schäden zu vermeiden.

Dauercamping – die Vor- und Nachteile im Überblick

Das Dauercamping kommt mit einzigartigen Vor- und Nachteilen daher. Dazu gehören:

  • Niedrige Dauercamping Kosten im Vergleich zu Haus/Wohnung
  • Die Freiheit und Flexibilität, jederzeit umziehen oder vereisen zu können
  • Auswahl an gut ausgestatteten Campingplätzen mit vielen Annehmlichkeiten und Services
  • Enge Gemeinschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Campern

Die Nachteile des Dauercampings:

  • Geringer Platz und wenig Stauraum
  • Viele Vorschriften der Campingplätze und Behörden einzuhalten
  • Begrenztes Angebot an Stellplätzen, insbesondere für “echte” Dauercamper (ganzjährig)
  • Hohe initiale Kosten für Wohnwagen/Wohnmobil und Ausstattung

Realistischer Blick auf das Dauercamping

Das Leben im eigenen Wohnwagen oder Wohnmobil hat einen ganz besonderen Reiz. Viele Dauercamping-Begeisterte möchten die Freiheit und Spontanität nicht mehr missen. Es ist jedoch keinesfalls automatisch eine sinnvolle Entscheidung! Hier kommt es ganz auf die individuelle Persönlichkeit und die eigenen Ziele an.

Beim Dauercamping profitierst du von vergleichsweise niedrigen Kosten. Bleibt dein Fahrzeug angemeldet, kannst du außerdem jederzeit einen neuen Standort anfahren und neue Menschen und Umgebung kennenlernen. Auf den Campingplätzen finden sich oft nette und gesellige Menschen, die Neulinge gern in ihre Gemeinschaft aufnehmen.

Du musst dich jedoch mit dem geringen Platzangebot abfinden. Auch die vielen Vorschriften der Campingplätze und Gemeinden können dir den Spaß schnell verderben. Und natürlich muss so ein Wohnmobil erst einmal angeschafft und ausgestattet werden … Ob sich dieses Vorhaben finanziell und persönlich lohnt, kannst nur du selbst entscheiden.

Bildnachweis
Headerbild: ©AdobeStock_214520623; Mitifoto

Bild1: ©AdobeStock_64946074; Jürgen Fälchle

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